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Dienstag, 5. Oktober 2021

Italien 2021-III: Faszinierendes Genua

Genua

Faszinierendes Genua

Von den einsamen höhen im Piemont geht es direkt in die geschäftige Hafenstadt Genua, die uns mit ihrem verschlungenen Gassen länger in den Bann zieht, als geplant.

 

14. September

Heute Morgen stärken wir uns ein letztes Mal am Frühstücksbuffet, bevor es für uns heißt Abschied nehmen von Ceaglio. Weiter nach Süden wollen wir. An die Küste. Nach Genua. Warum Genua? Keine Ahnung. Oder eigentlich schon: Bis gestern war der Plan noch nach La Spezia zu fahren zu einem Campingplatz, den wir letztes Jahr schon ausgesucht hatten, als wir die Cinque Terre besuchten. Aber unsere Recherche ergeben, dass die Rezensionen für den Platz richtig schlecht sind - ich sage nur Ratten. Ergo, umgeplant und ab nach Genua. Städte schauen wir ja immer gern an. Auch für Genua haben wir schon einen schönen Campingplatz ausgesucht: Camping Genova Est.

Vorher liegen aber ein paar schöne Bergsträßchen vor uns. Die Route führt uns zum Colle d'Esischie hinauf. Kaum haben wir die 2.000 m Marke überschritten, wimmelt es buchstäblich mit Murmeltieren. Die aber meist schnell das Weite suchen und sich in ihre Höhlen verstecken, wenn sie uns angeknattert hören. Vielleicht auch besser so, denn einen Fuchs sehen wir auch noch. Wir können uns schon denken, worauf der hier oben Jagd macht. 

Die Landschaft hier oben ist wirklich beeindruckend und die Fahrt anspruchsvoll: Kurvig, schmal und in schlechtem Zustand sind die Wege hier - genau wie es uns gefällt. Gleich hinter dem Pass passieren wir das Rifigio Fauniera. Dort kann man sich eine Starbox mieten: ein Holzhäuschen, dessen Dach man öffnen kann und dann die Sterne beobachten.

An Cuneo vorbeigeht es für uns weiter Richtung Süd-Osten. Je näher wir Genua und dem Meer kommen, desto heißer und voller wird es auf den Straßen. Uns schwant böses, denn um zu unserem Campingplatz zu kommen, müssen wir einmal durch Genua durch - von West nach Ost. Bei einer Pause in Savona, planen wir schnell um. Statt im Osten übernachten wir einfach im Westen von Genua. Auch dort gibt es einen Platz - Villa Doria. Und als wir ankommen, ist es mal wieder ein Glücksgriff: Mitten in einem Park gelegen, grün und ruhig. Und trotzdem mitten in der (Vor)Stadt.

Kaum steht das Zelt, geht es runter ins Städtchen. Ein Bummel an der Marina entlang. Ein Apero hier, ein zweiter da, bevor es köstliches Essen in einem kleinen Restaurant gibt. Müde und satt erklimmen wir die Stufen zu unserem Platz. Morgen steht Kultur in Genua auf dem Plan. 


15. September

Mit dem Pendlerzug geht es von Pegli (so heißt der Vorort) nach Genua. Auf dem Weg gibt es noch ein Brioche zum Frühstück. Leider haben wir keine Stadtführung gefunden, aber wir haben einen Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von unserem Campingplatz bekommen. Dort hat man uns auch das mit dem Tagesticket erklärt und gleich eines Verkauft. Jetzt können wir den ganzen Tag lang mit allen Verkehrsmitteln fahren - sogar mit dem Foniculare, eine Art Seilbahn. 

Leider finden wir keine Stadtführung in Genua. Also erkunden wir die Stadt zu Fuß selbst. Es gibt einige Spaziergänge die ausgeschildert sind. Das hilft aber nur bedingt, in den engen, verwinkelten und dunklen Gassen der Hafenstadt. Aber dann öffnet sich eine Gasse auch immer wieder in einen kleinen Platz. 

Zum Mittagessen gibt es natürlich Pasta mit Pesto Genovese. Unser tolles Nahverkehrsticket nutzen wir noch aus um zum malerischen Fischerdorf Boccadasse. Von dort aus flanieren wir an der Uferpromenade zurück Richtung Hafen. Von dort geht es mit dem Bus wieder zurück Richtung unserer Motorräder. Wir lassen den Tag beim Apero und einem schönen italienischen Essen in Pegli ausklingen.

16. September

Heute Nacht kam ein ordentliches Gewitter herangezogen. Auch jetzt am Morgen ist es noch trüb und es nieselt leicht. Der Entschluss noch einen Tag zu bleiben ist deshalb schnell gefasst. In Genua gibt es noch genügend Dinge zu entdecken. Zum Beispiel die Fotoausstellung an der wir gestern schon vorbeigekommen sind. Genau das richtige für einen Regentag.

Ich Genua angekommen scheint aber schon wieder die Sonne und die Ausstellung macht auch erst am Nachmittag aus. Also setzten wir unseren Spaziergang durch die Stadt fort. Entdecken ein wunderbares kleine Restaurant, wo wie bei Spumante und Fisch warten bis die Ausstellung die Türen öffnet.

Später fahren wir noch mit dem Foniculare zum Righi Aussichtspunkt. Auf dem Rückweg steigen wir mal ein paar Stationen früher aus, um mal einen anderen Vorort zu sehen. Wir haben Glück und finden einen tollen Bio-Eis laden. Danach hangeln wir uns über ein paar Apero stops zurück zu unserem Campingplatz.

Neben unserem Zelt steht jetzt eine rote BMW 800 GS Adventure, die einer Bikering aus Basel gehört. Sie hat (wir haben mal wieder vergessen nach dem Namen zu fragen) vor einiger Zeit eine Tour durch Südamerika gemacht. Uns so quatschen wir noch einge Zeit über das Reisen, Motorradfahren und Südamerika.

Mittwoch, 29. September 2021

Italien 2021-II: Luxus im Piemont

Val Maira

Luxus im Piemont

Erst in Hotel in Alba, dann weiter in ein Albergo Difisuio im Val Maira. Fünf Gänge Menüs und Apero im Liegestuhl. Wenn das mal nicht echter Luxus ist.

11. September

Alba ist unser Ziel. Die Stadt hat es uns 2017 nicht so leicht gemacht, weil sie uns mit strömendem Regen gleich wieder in die Flucht geschlagen hat (Piemont 2017). Heute aber meint es das Wetter gut mit uns. Fast zu gut. Die Fahrt durch die Poebene ist heiß und langweilig. Da kann man auch mal ein paar km Autobahn fahren. 

In Alba haben wir uns ein gestern noch ein Hotel gebucht, das nicht weit vom Zentrum liegt. Mit Parkplatz. Als wir dort vorfahren, empfängt uns direkt der Bellboy und zeigt uns den Weg zur Tiefgarage. Wir wollen aber erstmal unsere verschwitzen Klamotten loswerden und auch gleich das Gepäck abladen. Der gute Mann staunt nicht schlecht, als wir in wenigen Minuten seinen Gepäckwagen mit Klamotten, Kofferinhalt, Tankrucksäcken und Helmen vollpacken. Bazar sage ich nur.

Kurz frisch gemacht und ab in die Stadt. Es dauert keine Viertelstunde und wir halten unseren ersten Apero auf dem Platz in der Hand und schauen uns das bunte Treiben an. Wir bummeln weiter durch die Stadt und ersetzen das Abendessen heute einfach mal mit den leckeren Apero Schmankerln, die hier überall gereicht werden: mal kleine Pizza Schnitten, Sandwiches, Oliven und Chips, dann wieder etwas Bruschetta - so kann man es aushalten.

Als es Abend wird, änder sich da Publikum auf den Straßen: Die Familien gehen nach Hause und dafür kommt die Jugend und trinkt sich warm bevor es in die Clubs geht. Wir beobachten das Spiel eine Weile, bevor wir das Feld räumen und ins Hotel zurückkehren.


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12. September

Von Alba ist es nur ein Katzensprung in die Maira. Als ich das letzte Mal vor vier Jahren hier war, hat mir das so gut gefallen, das ich es unbedingt Kerstin zeigen wollte. Ich habe uns ein Zimmer in dem Albergo Difusio Ceaglio reserviert. So nennt man die Hoteldörfer: Alte Bauerndörfer, die in Hotels und Pensionen verwandelt wurden. Die Fahrt führt uns durch das idyllische Dorf Dronero mit seiner beeindruckenden Brücke. Weiter geht es durch das Val Maira und dann steil hinauf nach Ceaglio. Wir können zwischen einem kleinen Zimmer im Dorf, oder einem größeren Appartment etwas außerhalb wählen. Die Appartmenthäuser sind neu gebaut, die gab es 2017 noch nicht. Wir entscheiden uns natürlich für das Zimmer im Dorf. Das macht ja den Charme der ganzen Sache aus, dass man in alten Gemäuern schlafen kann. 

Im Liegestuhl auf dem 'Dorfplatz' genießen wir die Nachmittagssonne und beobachten wie sich ein Gewitter in den Bergen gegenüber zusammenbraut, das aber nicht zu uns zieht. Punkt sieben läutet die Glocke zum Abendessen. Es gibt ein wunderbares, hausgemachtes, fünf Gänge Menü. Und wie bei Mama, bekommt man Nachschlag, wenn man will. 

13. September

Nach zwei Fahrtagen wollen wir heute die Gegend zu Fuß erkunden. Direkt vom Dorf aus gibt es verschiedene schöne Wanderrouten. Wir entscheiden uns für eine Rundwanderung, die uns durch einige Bergdörfer führt. Die meisten sind verlassen, aber es gibt auch Appartmentanlagen und sogar ein Wellnesshotel (Brieis Relais Alpino). Zurück in unserem Dorf, chillen wir entspannt in unseren Liegenstühlen, bis uns die Glocke wieder zum Essen ruft.


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Freitag, 10. September 2021

Italien 2021-I: Ab zum Comersee

Comersee

Ab zum Comersee

Mit genügend Zeit im Gepäck starten wir die Anreise nach Italien entspannt. Erste geplante Station soll der Comersee sein, der Rest ergibt sich - wie immer.

8. September 2021:

Ohne Wetterapp ging gar nichts,  die letzten Tage. Jetzt, Anfang September, ist das Wetter wechselhafter als im Hochsommer. Trotzdem wollen wir auch dieses Jahr wieder Zelten wo es geht. Auf den Comersee als erstes Ziel haben wir uns schnell geeinigt. Auch da hab ich eine schöne Unterkunft, einfach aber mit tollem Blick über den See. Aber wie so oft, hat Kerstin eine bessere Idee: Einen Campingplatz, in einem Weinberg. Klar, dass ihre Augen da leuchten. Schnell mit dem freundlichen Besitzer telefoniert und eine Parzelle ist reserviert. Na dann, kann es ja losgehen.

Auf dem Mittleren Ring stapeln sich die Autos. Feierabendverkehr. Sowas kommt davon, wenn man den letzten Arbeitstag zum ersten Reisetag macht. Egal, wir schwitzen 45 Minuten in unsere Anzüge, bevor uns der Fahrtwind auf der A95 wieder abkühlt. Erstmal gilt es, Kilometer machen. Immer nach Süden Richtung Garmisch. Kerstin fährt voraus. Auf dem Silberrücken (unsere 1200er GS) ist sie gut geschützt vom Fahrtwind. Ich muss auf meiner Ténéré ganz ordentlich am Gasgriff, um nicht abgehängt zu werden.  

In Garmisch folgen wir den Schildern zum Fernpass. Biberwir heißt unser Ziel für heute, wo wir uns eine nette Pension erwartet. Auch wenn es nur knapp zwei Stunden Fahrt waren, fühlt es sich jetzt schon an wie der erste Urlaubstag.

Man spricht Flämisch in Biberwier. Sogar das Restaurant, in dem wir zu Abend essen, heißt "Brabant", wie das Herzogtum in Flandern. Die Pommes sind nicht ganz belgisch, aber trotzdem lecker. Das Bergpanorama steigert unsre Urlaubsstimmung. Und ratet mal, wer morgen als erster auf dem Fernpass ist?
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9. September 2021

Traumhaftes Wetter begrüßt uns heute. Kaisersemmeln, Wurst- und Käseaufschnitt, selbstgemachte Marmelade und ein Ei für jeden erwartet uns im Frühstücksraum zum vorher vereinbarten Zeitfenster. Corona lässt immer noch grüßen. So gestärkt geht es auf zur ersten richtigen Etappe: über das schweizerische Engadin und St. Moritz nach Domaso am Comersee. Den Reschen lassen wir schnell hinter uns. Statt Stilfserjoch und Umbrail, nehmen wir den Ofenpass in die Schweiz. Durch das malerische Val Müstair geht es bis Zernez. Dann links in das Engadin. Durch das mondäne St.Moritz (das jetzt im Spätsommer eher verlassen wirkt). Am Molojapass endet das Hochtal mit einer wunderbaren Serpentinenstrecke. Für uns ist der Pass eine Premiere. Am liebsten wären wir gleich wieder hochgefahren.

Gleich hinter dem Pass kommt die italienische Grenze. Unaufhaltsam nähern wir uns dem Tagesziel: Comersee. Unser Campingplatz liegt am Nordende des Sees, in Domaso. In einem Weinberg. Die Betonung liegt auf Berg, denn der Weg dahin hat es in sich und ist definitv nicht für Campervans geeignet: schmalste Sträßchen geht es hoch. Immer wieder um Haarnadelkurven und als am Ende auch noch Kopfsteinpflaster kommt, hält Kerstin erstmal an und lässt mir den Vortritt. Erstmal gilt es herauszufinden, ob wir überhaupt auf dem rechten Pfad sind. Umdrehen in einem schmalen Gäßchen ist nicht so unser Ding. Aber alles passt und Andrea vom Agrar Camping Colle Vento erwartet mich schon. Kerstin folgt mich nach kurzem Signal.

Der Campingplatz ist wirklich ein Traum. Es ist in Wirklichkeit ein Zeltplatz, weil nur Zelte erlaubt sind (Camper hätte eh keine Chance). Die Parzellen sind wirklich mitten im Weinberg und es gibt insgesamt nur 15 davon. Ein echtes Paradies mit Blick auf den See. Natürlich gibt es auch einen Kühlschrank mit einem Stiefelbier für mich und eigenem Wein für Kerstin. Nicht zu vergessen der Brötchenservice zu Frühstück - das hilft wirklich, bis in die Stadt gilt es einige Höhenmeter per Stufen zu überwinden. 

Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen haben, schlendern wir gleich mal nach Domaso hinunter in ein Restaurant, das uns Andrea empfohlen hat. Das Essen und der Wein dort sind köstlich. Fatalerweise auch der Grappa, was den Rückweg etwas mühsamer macht. 
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10. September - Wandertag

Nach zwei Fahrtagen werden die Beine heute mal für etwas anderes genutzt, als fürs Schalten. Gleich oberhalb des Campingplatzes führt ein schöner Rundwanderweg durch einsame Bergdörfer zu einer kleinen Kapelle mit einem wunderbaren Blick über den See.

Weiter geht es nach Livo, einer kleinen Ortschaft, wo wir auf eine Einkehr hoffen. Leider vergeblich: Das einzige Restaurant im Dorf hat heute Ruhetag. Da kann man nichts machen, außer nochmal 4 km durch ein schönes Tal zur Crotto Dangri laufen. Das entpuppt sich eher als eine Berghütte als ein Restaurant. Die hausgemachten Buchweizenpasta und sehr nahrhafte Polenta sind dann aber genau das, was wir brauchen.

Wieder zurück an unserem Zelt, genießen wir den Sonnenuntergang mit Antipasti, Wein vom Weinberg und ein paar Bier für mich.

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Sonntag, 13. September 2020

Toskana 2020 VI: Es geht Heimwärts

Molveno

Toskana 2020 VI - Es geht Heimwärts

Von Ligurien geht es durch die Po-Ebene ins Trentino nach Molveno und weiter über Sterzing und Brenner nach Hause.

10. September, Donnerstag: Mit etwas Wehmut packen wir unser Zelt zusammen das jetzt drei Tage lang unser Ausgangspunkt war für eine wirklich tolle Zeit am Meer und in den Cinque Terre. Ich denke wir werden die Gegend nicht zum letzten Mal besucht haben. 
Gegen zehn sind wir abfahrtsbereit und wenden uns Richtung Norden, grob Richtung Cremona. In der Gegend wollen wir uns für heute Abend mal wieder ein nettes Agritoursimo suchen. Wir müssen ja nicht hetzen, sondern haben noch volle vier Tage Zeit, bevor der Ernst des Lebens wieder losgeht. Gleich hinter Levanto geht es wieder in die Berge hoch. Über den Passo di Centocroci geht es auf schönen kleinen Sträßchen immer weiter durch die Wälder. Sehr schön ist es hier - aber auch wirklich sehr einsam. Uns knurrt schon ganz schön der Magen als wir endlich mal ein Schild sehen das eine Trattoria angekündigt. Dass es dann nochmal fast eine halbe Stunde dauert, bis wir dann bei der Trattoria Solari ankommen, zeigt wie wenig in dieser Gegend los ist. Ohne groß hinzuschauen, parken wir die Bikes und lassen uns auf der Terrasse nieder. Der Laden sieht aus wie eine alte Tankstelle. Erst nach und nach bemerken wir einige seltsame Dinge: Überall sind lebensgroße Puppen aufgestellt, das ganze ist ein riesiges Sammelsurium an Trödel und Souvenirs. Die Mama des Hauses preist uns das Menü an, aber obwohl wir ordentlich hungrig sind, sind uns dann drei Gänge plus Suppe und Nachtisch dann doch etwas zu viel. Kerstin entscheidet sich für Antipasti ohne Fleisch und ich nehme die Pasta. Was dann kommt lässt uns wirklich staunen. Statt Grissini kommen da die ‚Torta‘ - das ist so eine Mischung aus ‚Auszogene‘ und ‚Churro‘, aber nicht süß - die Portion ist riesig. Dann kommt die Antipasti: Ein riesiges Stück Käse und ein Laib Brot dazu - wir sind baff. Davon können wir uns zwei Tage ernähren. Tapfer kämpfen wir mit dem Käse als dann eine Schlüssel in der Größe einer Kinderbadewanne ankommt, voll mit Taigliatelle con Funghi - damit könnte man eine halbe Kompanie versorgen. Wir essen was geht, aber am Ende sieht alles immer noch so aus, als hätten wir es kaum angerührt. Die Mama ist sichtlich enttäuscht und will unseren Appetit mit einem Grappa anregen, was wir aber mit Hinweis auf die Motorräder dankend ablehnen. Immerhin nehmen wir die übrigen Torta mit. 

Von hier schlängeln wir uns noch ein Weilchen durch die Berge der Emilia Romagna, bevor es unweigerlich hinunter zur Po-Ebene geht. Es ist schon kurz nach vier als wir vor Cremona halt machen um ein passendes Agritourismo zu finden - gar nicht so einfach. Einige sind geschlossen, andere haben kein Restaurant und sind zu weit weg von einer Ortschaft. Am Ende werden wir dann doch fündig - das Cascina Farisengo wird unsere Bleibe für die Nacht. Als wir angerufen und reserviert haben wussten wir nicht viel darüber - nur dass die Dame am Telefon sehr nett war, dass es nicht weit ist und dass wir sowohl im Agritoursimo oder in einer Pizzeria in der Nähe etwas essen können. Mehr brauchen wir nicht. Als wir dann ankommen finden wir einen prächtigen Gutshof mit traumhaft renovierten Zimmern vor - der pure Luxus. Der alte Baron Ferrari (kein Witz) empfängt uns persönlich und wir dürfen unsere Motorräder auch gleich im Kutschenhaus parken (auch kein Witz, da stehen wirklich ein halbes dutzend Kutschen drin). Nach einem Spaziergang durch den angelegten Garten, inkl. Teich und Lauben, lassen wir uns dann unter Palisaden zu einem einfachen aber sehr leckeren Abendessen (Pizza und Salat) nieder und genießen die Ruhe. Wir erfahren dass die Familie sich auf Hochzeiten und andere Events spezialisiert hat und es gibt sogar ein kleines Museum mit alten Gerätschaften, vom Traktor bis zum Feuerwehrwagen.

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11. September: Wir haben schon gestern beschlossen, dass wir die Po-Ebene möglichst schnell, also auf der Autobahn durchqueren wollen - hier ist es flach und heiß, das ist nicht unser Ding. Zum Glück geht die Autostrada gleich bei Cremona los und es dauert weniger als eine Stunde bis wir wieder an Höhenmeter gewinnen. Unser Ziel für heute soll der Campingplatz in Molveno sein. Mit Molveno verbinden uns sehr schöne Erinnerungen an eine unserer ersten Touren, als Kerstin noch bei mir hinten mitfuhr.  Und so lassen wir den Gardasee rechts liegen und sind schon kurz nach zwei am Campingplatz, der sehr schön am See gelegen ist mit wunderbarem Blick auf die Brenta Dolomiten. Und das ist auch gut so - können wir noch zwischen verschiedenen Plätzen wählen, ist der Platz drei Stunden später voll. Naja - heute ist natürlich auch Freitag und nicht wenige Wochenendurlauber reisen an. Egal - wir sitzen gemütlich vor unserem Zelt, schlendern durch das Städtchen, gönnen uns Apero und Pizza und schlafen unter einem wunderbaren Sternenhimmel ein.

12. September, Samstag - Entschleunigung heißt unser Motto in den letzten Tagen unseres Urlaubes. Also auch heute nur eine kurze Tour nach Sterzing am Fuße des Brenners. Hier wollen wir uns standesgemäß von Italien verabschieden und nehmen ein schönes Zimmer in einem modernen Hotel nahe der Altstadt. Das Wetter ist wundervoll und so verbringen wir den ganzen Tag damit, das kleine Städtchen zu erkunden (die Stadtführung haben wir leider verpasst), sitzen fast in jedem Café einmal, essen Eis und trinken - der darf natürlich nicht fehlen - denen einen oder anderen Spritz. Nur das mit dem Essen haben wir uns anders vorgestellt: Schon bei unserem Spaziergang merken wir dass die Stadt ordentlich voll ist, also ausnahmsweise mal einen Tisch reservieren - leider nicht so einfach: alle Restaurants sind entweder schon voll, haben geschlossene Gesellschaften oder erst gar nicht offen. Am Ende finden wir dann doch ein Plätzchen auf einer Terrasse, mit Pizza und Pasta, einem etwas muffligen Kellner, der aber unter seiner schroffen Art, eigentlich doch ganz nett ist. Morgen geht es dann nur noch über den Brenner nach Hause.

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Fazit: Obwohl wir noch im Juni nach Griechenland fahren wollten und Italien und die Toskana nie auf unserer Liste stand, sind wir begeistert und werden sicher wieder kommen. Mir haben es besonders die unendlich vielen kleinen Strassen, voller Kurven und Serpentinen angetan, die die Emilia -Romagna und Ligurien durchziehen. Aber auch die mittelalterlichen Städte der Toskana, das Essen, der Wein und natürlich die vielen freundlichen Begegnungen … ja, ich glaube wir gehören jetzt auch zur Toskana-Fraktion.

Mittwoch, 9. September 2020

Toskana 2020 V: Die Cinque Terre

Cinque Terre

Die Cinque Terre

Nicht mehr Toskana, sondern Ligurien - die Cinque Terre sind die letzte Etappe auf unserer Tour, bevor es wieder gen Heimat geht. Meer, Strand, Hitze und schönen Wanderungen gehören die nächsten Tage.

Dienstag, 7. September - Unsere Unterkunft bietet kein Frühstück an (außer für die zwei Quarantänegäste, die wohl auch im Hotel wohnen), also gehen wir bevor wir abfahren, schon in voller Motorradklamotte in ein Café um die Ecke. Cappuccino und süße Croissants stärken uns für die Fahrt heute. Wie schon öfters erwähnt wollten wir heute zur ligurischen Küste, die berühmten fünf Dörfer (Cinque Terre) besuchen.  Tatsächlich sind die Cinque Terre eines der wenigen Ziele auf unserer Tour, über die wir uns (oder zumindest ich) schon vor der Abfahrt Gedanken gemacht haben. In den letzten Tagen wurde der Plan detaillierter. D. h. wir haben beschlossen, wo wir übernachten wollen und dass wir mindestens drei Tage da bleiben wollen. Noch vorgestern hatten wir Lerici als Ziel und Übernachtung geplant - da gibt es einen schönen Campingplatz direkt am Meer und man kommt mit dem Bus nach La Spezia von wo man mit dem Zug und zu Fuß die Dörfer erkunden kann. Aber wie so oft bei uns haben wir uns mal wieder in letzter Minute umentschieden und fahren nach Levanto. Das hat zum einen mit der Strecke zu tun - länger durch die kühlen Berge, weniger an der heissen und vollen Küste entlang. Zum anderen aber auch mit einem weiteren schönen Campingplatz, den wir dort entdeckt haben, und die Chance,   mehr direkt zu Fuß zu machen (also nicht immer erst mit dem Bus irgendwo hinfahren zu müssen).

Von Lucca geht es (jetzt schon zum 3. Mal) den Serchio entlang, an der Teufelsbrücke vorbei und dann über SR445 und SS63 grob Richtung La Spezia und Genua. Kurz vor Aulla halten wir zum Mittagessen an. Leider zwingt uns kurz hinter Aulla ein Brückeneinsturz unsere geplante Route zu verlassen. Mangels Karte und Navi-Problemen entschliessen wir uns kurzerhand der offiziellen Umleitung über die Autostrada zu folgen (ist sogar Gebührenfrei). Guter Entschluss, kommen wir so doch gut eine Stunde früher in Levanto an und ergattern deshalb den letzten Zeltplatz auf dem Camping Aqua Dolce. Der Platz liegt sehr zentral in Levanto - zum Bahnhof - wo die Züge der Cinque Terre Linie abgehen - sind es knapp 15 Gehminuten, ins Zentrum etwas weniger. Der Platz ist terrassenartig an einem Hang angelegt. Unser Platz ist auf der obersten Terrasse. Die Mopeds müssen auf einen Parkplatz einige Stufen weiter unten stehen bleiben; aber da wir ja vorhaben, einige Tage hierzubleiben, macht uns das nicht viel aus. Zum Glück gibt es viele Sanitäre Anlagen und sogar Waschmaschinen - da können wir mal unsere Wäsche richtig durchwaschen. Hatte ich schon erwähnt dass hier zum ersten Mal auf unserer Tour richtig was los ist? Also viele Touristen, auch viele Deutsche, Holländer und Franzosen. Unser Campingplatz schein fest in deutscher Hand zu sein, wenn man den Nummernschildern an den Campern glaubt. Mittags schlendern wir durch Levanto - viele Läden haben noch zur Siesta geschlossen, aber ein Focaccia Laden der uns mit leckeren, frischen Schnitten derselben versorgt ist schnell gefunden. So gestärkt flanieren wir weiter Richtung Stand, wo eine wunderschöne Promenade zum Spazierengehen einlädt und genügend Gelegenheiten für einen Apero bietet. Den genießen wir auch reichlich in den verschiedenen Bars und können dank der gereichten Snacks - über Pizzaschnitten, Sandwiches, Chips bis zu Nüsschen ist alles dabei - auf ein Abendessen verzichten. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang gönnen wir uns noch ein leckeres Craftbier vom Fass in der Birreria Gambrinus im Städtchen und sind dann auch bereit für unsere Luftmatratzen.

Die nächsten Tage verbringen wir mit 2 fantastischen Wanderungen nach entsprechender Anreise per Zug (mit CinqueTerre Card):
1. Tag: Anreise nach Manarola - Wanderung über Volastra nach Corniglia, weitere nach Vernazza und nach Monterosso, es wurde immer heißer und ich empfehle einen frühen Start
2. Tag: Anreise nach Riomaggiore - Frühstück dort, dann Wanderung via Telegrafo nach Porto Venere - Bad im Meer; Rückfahrt mit der 17 Uhr Fähre nach Levanto...wahrlich ein Traum


8. September - Heute werden die Motorradstiefel mal gegen die Trekkingschuhe getauscht. Mit dem Zug geht es von Levanto nach Manarola - das dritte der fünf Dörfer. Von dort aus wollen wir uns über den schönen Terrassenweg zurück nach Vernazza wandern. Dort können wir dann wieder mit dem Zug zurück nach Levanto fahren. Schon kurz vor acht sind wir am Bahnhof in Levanto, kaufen unsere Tickets (Tagesticket, da kann man beliebig viel fahren und auch die Wanderwege mit Maut sind inklusive). Alles geht so schnell, das wir sogar einen frühere Zug nehmen können. So sind wir eine der ersten die kurz nach 8:30 Uhr die Terrassen besteigen in denen die Bewohner der Dörfer Wein, Oliven und anderes anbauen (das gehört auch zum Weltkulturerbe). Immer weiter hinauf schlängelt sich unser schmaler Weg und bietet immer wieder fantastische Ausblicke auf die Küste und die Dörfer. Und wir sind fast alleine unterwegs. Erst vor Vernazza kommen uns immer mehr Wanderer entgegen, oft auch in großen Gruppen, was immer wieder zu Wartezeiten führt, weil die Wege hier sehr schmal & teilweise steil sind. Also heißt es immer wieder warten, Wandergruppe vorbei lassen bevor mal selbst weitergehen kann. Wir sind trotzdem froh offensichtlich die Strecke mal wieder gegen den Strom gegangen zu sein. Gegen 13 Uhr sind wir am Ziel und hungrig. Leider haben schon wieder viele Restaurants für die Mittagszeit geschlossen, aber am Ende werden wir doch fündig und lassen uns erschöpft auf in einem Restaurant an der Strandpromenade nieder. Die letzten km waren ziemlich schweißtreibend. Hier am Meer geht der Thermometer leicht über 30° - auch jetzt im Spätsommer. Ein Eis später bringt uns der Zug wieder zurück nach Levanto, zu Campari Spritz, Sonnenuntergang und - zur Feier des Tages - heute mal ne Pizza.


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9. September - Nachdem wir gestern die drei Dörfer Manarola, Corniglia und Vernazza von Ost nach West erwandert haben, geht es heute - wieder per Zug - nach Riomaggiore. Diesmal wollen wir nach La Spezia spazieren. Nach der Ankunft im malerischen Riomaggiore gönnen wir uns erstmal ein kleines Frühstück und beschnuppern ausführlich das kleine Städtchen. Typisch für die Dörfer der Cinque Terre ist die steile Hanglage und die Hauptstrasse die im Meer bzw. Im Hafen endet. Oft liegen die kleinen Fischerboote einfach links und rechts der Hauptstrasse, wahrscheinlich vor den Häusern der Besitzer. Wir brechen auf und folgend dem gut ausgeschilderten Wanderweg, der schnell nach oben führt. Nur kurz geht es diesmal durch die Terrassen, bald sind wir schon im Wald. Auf teilweise gepflasterten Wegen folgen wir quasi dem Bergkamm Richtung Porto Venere. Unterwegs gibt es nur ein kleines Dorf, aber auch dort ein kleines Café wo wir uns Stärken. Wir kommen aber auch an anderen Verpflegungsstationen vorbei - Restaurants, Kioske und sogar einen Foodtruck - die Verpflegung die wir eingepackt haben, hätte es nicht gebraucht. Kurz bevor es wieder bergab an die Küste geht, kommen wir an einem Refugio vorbei (quasi eine Berghütte), wo wir uns ein Bier mit Blick auf die Festung von Porto Venere. Eigentlich wollten wir erst unten in der Stadt etwas essen, aber die Wirtin fängt gerade an das Mittagsmenü zu servieren und es gibt hier so leckeres, frisches und hausgemachtes Essen, das wir nicht widerstehen können und für Primi, Secundi und Kaffee bleiben, bevor wir uns an den Abstieg machen. Porto Venere empfängt uns als schmuckes Städtchen mit Fort, Stadtmauer und Hafenpromenade. An selbiger schlenderte wir zum Hafen, wo stündlich eine Fähre zurück nach Levanto fährt. Die Fahrt bietet uns die Möglichkeit die fünf Dörfer auch nochmal von Meer aus zu sehen. Ein großartiger Abschluss für drei schöne Tage am Meer. Morgen geht es Richtung Norden, gen Heimat. Wir haben aber noch vier Tage Zeit, können uns also Zeit lassen und noch ein paar Mal Station in Italien machen.

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