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Donnerstag, 16. April 2015

Busfahren in Bolivien - Die Qual der Wahl beim Ticketkauf


Es ist immer wieder lustig hier in Bolivien, die Geräuschkulisse am Busterminal aufzusaugen. Es gibt x verschiedene Busunternehmen mit x 'Schreiern' in der Halle, die die nächsten Ziele ausrufen. Das gab es zwar schon auch in den anderen Ländern, aber nirgendwo sonst ergibt sich in den Hallen dieses faszinierende Concerto.

Wo wir schon von den vielen Busunternehmen reden: es ist wirklich nicht einfach, sich für ein Unternehmen zu entscheiden. Sicherlich, in La Paz hängt eine Preisliste mit Ober- und Untergrenze des Fahrpreises in einer bestimmten Klasse aus. Aber bei meiner Suche nach einem Ticket nach Cochabamba werde ich von einer viel breiteren Preisspanne überrascht. Die billigsten Anbieter wollen uns sogar für nur 30 schlappe Bolivianos in einen Cama-Bus auf die knapp 7stündige Nacht-Busfahrt nach Cochabamba stecken (die theoretische Preisspanne liegt bei 85-100 BOB)....bei allem Ehrgeiz, hier preisgünstig zu leben und zu reisen, haben wir doch so unsere Bedenken, wieviel das Unternehmen Super Jumbo Bolivia in das Thema Sicherheit auf der Strasse investiert. Und deshalb entscheiden wir uns für für das obere Mittelfeld und ein Unternehmen, das auf den ersten Blick zu einem der größeren und somit vermeintlich sichereren zählt. Die versprochene funktionsfähige und geöffnete Bordtoilette gibt es dann doch nicht (das wäre auch das erste Mal in Bolivien) aber inzwischen haben wir schon gelernt darauf zu verzichten.

A propos große und sichere Busunternehmen. Alle Recherchen deuten darauf hin, dass Bolivar und Transcopacabana und evtl. noch El Dorado zu den besseren Unternehmen zählen. Aber welches Transcopacabana gemeint ist, wird nicht immer dazu gesagt....es gibt nämlich Flota Tanscopacabana, Transcopacabana und Transcopacabana 1 M.E.M (letztere beide haben quasi identische Logos, bis auf den Namenszusatz versteht sich)..... mit Transcopacabana 1 M.E.M sind wir letztendlich gefahren, und gut in Cochabamba angekommen aber wissen jetzt, dass es tatsächlich die Flota Transcopacabana ist, die so hoch gelobt ist. Vielleicht fahren wir ja auch mal mit denen, um einen Vergleich zu haben.

P.S.: Die 12-stündige Nachtfahrt von CBBA nach St. Cruz erfolgt mit Bolivar für 50 BOB; wir konnten keinen Unterschied in Qualität des Busses bzw. genereller Qualität feststellen, ausser, dass nach 3h Busfahrt die Bordtoilette aufgesperrt wurde, damit der Toilettenstopp gleich ganz überflüssig wurde. Leider gab es kein Licht im Klo, entsprechend sah es dann auch aus; ich bin noch nicht sicher, ob nicht doch das Strassenrand-Klo besser gewesen wäre.

Tipp: Vorbuchen ist in Boliven (ausser an ganz großen Feier-/Reisetagen) nicht notwendig. Im Gegenteil - kurz vor der Abfahrt sind die Preise am günstigsten, weil jede Gesellschaft probiert ihren Bus voll zu kriegen; Handeln ist möglich! Da die verschiedenen Busgesellschaften auch zu sehr ähnlichen Zeiten fahren, bekommt man auch 'Last Minute' immer noch einen Bus zur 'mas o menos' angestrebten Abfahrtszeit.






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Montag, 13. April 2015

[Video] Wenn sich Frauen prügeln - bei den Fighting Cholitas von La Paz


Fotos machen war ja schwierig bei den WrestlernInnen - die sind einfach zu schnell. Aber auf dem Video sieht man gut was so abging.



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Sonntag, 12. April 2015

Copacabana - Nein, wir liegen nicht am Strand ...


... weil es auch ein Copacabana in Boliven gibt. Dort gibt es zwar auch einen Strand, nämlich den vom Titikakasee, an dessen Ufer das kleine Städtchen liegt. Aber jetzt im bolivianischen Herbst und auf fast 4.000m Höhe lädt dieser nun wirklich nicht zum Baden ein.

Die Fahrt von La Paz nach Copacabana dauert rund 4 Stunden. Unser First-Class Tourist-Bus entpuppt sich zwar als ein eher klappriger alter Schulbus mit einem Kamikaze-Fahrer vom Feinsten am Steuer, aber immerhin: wir kommen heil und unversehrt an. Kurz vor Copacabana gilt es eine Seeenge (?) des Titikakasees zu überqueren - per Fähre. Die Fähre ist nicht mehr als ein flaches Holzboot (oder doch nur ein Holzbrett?) mit einem Aussenbordmotor und ein paar groben Planken um eine einigermaßen ebene Fläche für die Fahrzeuge zu schaffen. Normalerweise setzen die Passagiere getrennt vom Fahrzeug auf kleinen Motorbooten über. Unser Busfahrer hat es aber eilig und fährt gleich mit der ganzen Horde Touris auf das Fährboot - da wird einem schon etwas mulmig.

Copacabana ist quasi das Puno von Bolivien, aber kleiner und mit einer einladenden Strandpromenade. Ein Städtchen das nur von zwei Dingen lebt: Den Touristen, die hier die Isla del Sol besuchen (dazu gleich mehr) und den Pilgern, die hier das ganze Jahr über die Virgen Moreno besuchen, um um Beistand und Heilung zu erbitten.

Ganz besonders viele Pilger zieht es an Ostern hierher. Dann ist alles voll, viele zelten auf dem Stadtplatz und es gibt eine Prozession, die in ganz Südamerika bekannt ist. Für uns Grund genug, erst nach Ostern hierher zu kommen. An Ostersonntag ist zwar noch einiges los, aber wir finden ohne Probleme ein Zimmer sogar ganz ohne 'Osteraufschlag'. Und so genießen wir dann einen wunderschönen Sonnenuntergang am Playa bei einer schönen Trucha (Forelle), frisch vom Grill (und bestimmt auch frisch aus dem See).

Blick auf Copacabana

Oster Opfer

Die große Basilika der Virgen Morena
Der 'Strand' von Copacabana

Weil der nächste Tag trübkalt ist, verschieben wir die Tour auf die Isla del Sol und besteigen erstmal den Cerro Calvario mit seinem Kreuzpfad. Oben sieht man noch deutlich die Spuren der Osterpilger: Blumen, Kerzen und allerlei Opfergaben (Cola, Bier, Schnapps, Cocablätter, etc.).

Tour zur Isla del Sol

Am Dienstag lacht die Sonne wieder und wir besteigen das Boot zur Sonneninsel. Die Isla del Sol war das größte Heiligtum der Inkas. Laut ihrem Glauben hat auf dieser Insel der Sonnengott das Volk der Inkas erschaffen und von hier aus haben sie ihr Imperium über das heutige Peru, Bolivien und Teile von Ecuador, Argentinien und Chile ausgebreitet. Zu sehen gibt es davon noch die Ruinen des Tempels, den Opferstein und den Pumafelsen - uns verweigert letzterer aber, den Puma zu zeigen. Vielleicht hätten wir doch bei der Tour bleiben sollen, die fester Bestandteil des Programms ist. Aber der Führer erzählt uns zuviel und zu langsam, weshalb wir uns von der Gruppe lossagen und auf eigene Faust losziehen. Wir wollen nämlich noch vom Nordende der Insel (wo die Inka Ruinen sind) nach Süden spazieren und dort wieder in unser Boot einsteigen. Dafür haben wir aber nur drei Stunden (und die braucht man auch gut), sonst fährt unser Boot ohne uns ab. Auf eine spontane Übernachtung auf der Insel haben wir keine Lust, auch wenn es hier viele schöne (und teure) Hostels gibt.

Auch abends ist was los in Copoacabana: Es gibt eine 'Ausgehstrasse' an der sich Pub an Pub und Resto an Resto schmiegt. Hört sich nach mehr an, als es tatsächlich ist. Im Nemos Pub bleiben wir hängen, zum einen wegen des Happy Hour Angebotes an Pisco Sour (der hier extrem lecker ist) und wegen der tollen chilenischen Band, die abends jazzige südamerikanische Musik spielt.

Den Rückweg treten wir wieder im trüben, nasskalten Wetter an. Uns zieht es jetzt Richtung Cochabamba und Santa Cruz und damit Richtung Amazonas, raus aus den Anden, rein ins tropische Klima. Leider müssen wir wieder über La Paz fahren und somit auch nochmal die schauklige Fährfahrt über den Titikakasee mitmachen. Aber auch dieses Mal geht alles gut.

Inka Tempel auf der Isla del Sol

Der 'Puma' Felsen

Blick in die Bucht der Isla del Sol

Wie zu Inka-Zeiten wird jeder qm genutzt

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Donnerstag, 9. April 2015

Osterzeit in La Paz


Der Blick auf La Paz, als sich unser Bus von der der Hochebene in die Schlucht in der die zweitgrößte Stadt Boliviens liegt, ist fantastisch: kurvig und steil geht es von El Alto auf über 4.000m hinunter Richtung Zentrum auf ca. 3.600m. Links und rechts sind Steilhänge, die aber trotzdem über und über mit Häusern bedeckt sind (nur die eine oder andere Felsnadel unterbricht die Bebauung). Fast sieht es aus als hätte jemand einen großen Eimer backsteinfarbene Farbe über das Tal ausgeschüttet.

Das Busterminal ist zum Glück sehr zentrumsnah und die Backpackerszene hat sich in der unmittelbaren Umgebung angesiedelt. So können wir zu Fuß einige Hostels abklappern und müssen uns mit unseren Rucksäcken nicht in einen der tausenden von Micro- und Minibussen quetschen, die hier das Strassenbild bestimmen.

Wegen der Höhe kommen wir ganz schön ins Schnaufen - es lässt sich in La Paz leider nicht vermeiden ständig bergauf und -ab zu gehen. Deshalb halten wir die Hostelsuche kurz und checken ins Bash'n'Crash ein. Laut Eigenwerbung ein Party Hostel - wir werden sehen.

Leider gibt es in La Paz keine Free Walking Tour, wie in so vielen anderen Städten, aber wir finden bei Red Cap die Beschreibung eines Stadtspazierganges und machen unsere Stadtführung so auf eigene Faust. Von Plaza San Pedro - wo das Stadtgefängnis sitzt - geht es zum Präsidentenpalast und weiter zum Plaza de San Francisco mit seiner riesigen Kirche, deren Fresken nicht nur christliche Motive zeigen.


Lamaföten bringen Glück, z.B. beim Hausbau

Srassen und Gehwege werden zum Markt - bei jedem Wetter


Unsere Route führt uns auch zum Rodrigez Markt, aber eigentlich ist ganz La Paz ein einziger großer Markt: Ständchen an Ständchen schlängelt sich die Strassen entlang. Wir kommen vom Kleidermarkt, zum Baumarkt, dann Schuhe, dann Essen und zum Schluss zum Hexenmarkt, wo es Kräuter, Zauberpulver, Talismans und was sonst noch wichtig ist (z.B. getrocknete Lamaföten) zu kaufen gibt. Und natürlich Lama-Pullover. Es ist schon unglaublich, was in Asien die Chang-Hosen waren sind hier die Lama-Pullover. Es gibt kaum einen Touristen (und schon gar keinen Backpacker) der keinen trägt. Wir kommen uns schon ein wenig ausgegrenzt vor, weil wir keinen haben (und auch keine Mütze mit Bändeln). Aber vielleicht werden wir ja noch fündig.

Gründonnerstag geht's zu einer der ganz großen Attraktionen von La Paz - zu den 'Fighting Cholitas'. In Bolivien wurde irgendwann in den 50iger Jahren mexikanisches Lucha Libre Wrestling beliebt und in La Paz wurde ein eigenes, bolivanisches, Wrestling gegründet. Nicht lange dann haben neben Männern dort auch Frauen mitgemacht. Und zwar in den traditionellen Trachten mit weiten Röcken und Melone - die Cholitas eben. Das ganze ist ein großer Zirkus und Spass. Aber wenn man sieht (und hört) wie sich die Wrestler gegenseitig auf die Matte werfen, dann weiss man, dass das durchaus eine harte Sache ist (wer mehr sehen will - hier geht's zum Video)







Die Woche vor Ostern ist 'Semana Santa'. Und die macht uns mal wieder den einen oder anderen Strich durch unsere Grob-Planung. Museen haben geschlossen. Die Kneipe ums Eck, in die wir nach den Cholitas völlig verfroren um 21.30 Uhr einkehren macht Gründonnerstag schon um 22:00 Uhr zu. Karfreitag bleibt vieles gleich ganz zu oder es wird zumindest kein Alkohol ausgeschenkt. Aber man nimmt das ganze in La Paz wohl weniger eng als in Sucre. Und so sitzen wir am Karfreitag erst in der zweiten Kneipe auf dem 'Trockenen' und gehen einfach zurück zur ersten. Und im Hostel, das übrigens alles andere als ein Party-Hostel ist, scheint eh jedem Wurst zu sein, was erlaubt ist oder nicht. Hier freut man sich über jeden Gast an der Bar.

Karfreitag ist dann der Tag der grossen Prozessionen. Hunderte von Menschen marschieren durch die Stadt und tragen Madonnen, Kreuze und Jesusfiguren, die die Passion Christi darstellen. Dazu wird jede Menge Weihrauch verbrannt. Aber auch die weltliche Unterhaltung kommt nicht zu kurz: Auf dem Plaza San Fransico entsteht ein großer Markt, mit unzähligen Essens- und Süssigkeiten Ständen, es gibt sogar einige handbetriebene Karussells und langweilige Vorführungen.






Erst am Ostersonntag ziehen wir weiter nach Copacabana (nein, nicht das in Rio). Hierher zieht es zur traditionellen Karfreitagsprozession massig von Pilgern aus dem ganzen Land (und wohl auch über die Grenzen hinweg). Wir stellen uns das ein bisschen vor wie Banos in Ecuador zu und nach Neujahr. Und das brauchen wir wirklich nicht nochmal. Nur deshalb bleiben wir halt noch ein bisschen länger im lauten, stinkenden La Paz bleiben, wo es uns trotz allem besser gefällt als anfangs erwartet.

Die erste Unabhängigkeitserklärung von Bolivien 1809



Wer weiß warum die Uhren in Bolivien falsch herum gehen?

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Montag, 30. März 2015

Sucre - die weisse Hauptstadt Boliviens


Auch wir wissen erst seit kurzem, dass nicht La Paz, wie von vielen angenommen die Hauptstadt Boliviens ist, sondern das mit ca. 200.000 Einwohnern viel kleinere und wunderschöne Städtchen Sucre. In La Paz sitzt lediglich die Regierung.

In Sucre wurde 1825 im Casa de la Libertad die Unabhängigkeitserklärung Boliviens unterschrieben, schon Ende des 19. Jh. jedoch zog die Exekutive und Legislative nach La Paz um. Vielleicht hat genau dies dieser hübschen Stadt gut getan. Bildung war hier schon immer sehr groß geschrieben, seit 1624 gibt es die hiesige Universität, die die zweitälteste in Amerika ist. Deshalb ist Sucre ein lebhaftes Studentenstädtchen mit entsprechend vielen Kneipen (die wir leider aufgrund der Wahlen nicht wirklich erleben können, siehe hierzu den Blog: Trockene Wahlen in Bolivien). Nebst den Kneipen gibt es massig weisse Kirchen und Konvente und den Obersten Gerichtshof Boliviens, natürlich auch ganz in weiss gehalten.

Wunderschön sind auch die kolonialen Wohnhäuser, die heute Hotels, Hostels und Restaurants beherbergen. Hinter eher unscheinbaren Eingängen verstecken sich weitläufige Innenhöfe, mit Springbrunnen und schattigen Gärten. Auch unser Hostel, das Solariega ist so ein Haus mit vier Innenhöfen, um die sich die Zimmer, Küche und Frühstücksplätzchen reihen. Wir haben uns hier mal wieder ein Doppelzimmer geleistet, weil es nur wenig teuer ist, als ein Dorm-Bett. Alleinreisenden können wir das "Kultur Cafe Berlin" nahe legen: Ebenfalls ein wunderschönes altes Kolonialgebäude mit den größten und schönsten Dorm-Zimmern die wir bisher in Südamerika gesehen haben.

Der Plaza de 25 Mayo mit Kathedrale

Die typischen Balkone der Kolonialzeit

Innenhof in unserem Hostel

"Wahlplakate"

Nebst dem Casa de la Libertad besuchen wir auch das ASUR Textil Museum und das MUSEF - Museo de la Etnologia y Folklore. Am Wahlsonntag ist trotz oder wegen des Verbotes motorisierter Verkehrsmittel großer Spazier- und Flaniertag und wir sehen nochmal ohne Verkehrslärm und -gestank ganz neue Ecken der Stadt.

Daumen hoch für Sucre!





Die Auswahl an Kartoffeln ist riesig...

... genau wie das Torten Angebot



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Sonntag, 29. März 2015

Trockene Wahlen in Sucre


Warum nur hat uns niemand vorgewarnt?

Genau das fragen wir uns am Freitag Abend, als wir ausgehbereit und sehr durstig in der ersten (Ess-) Kneipe sitzen. Genau hier haben wir noch am Mittwoch Abend das erste Bier (aus einer Hausbrauerei, Cerveca Artesanal) in Bolivien getrunken, das tatsächlich nach mehr schreit. Alle vorherigen zarten Versuche, das hiesige Bier zu kosten, endeten damit, dass wir uns jeweils eine Flasche teilten (!!!!), weil keines der Biere Potosina, Pacena oder Huari nach mehr schreit. Das will schon was heißen. Und von dem hier so weit verbreiteten Wein 'Kohlberg' lassen wir nach einmaliger Verköstigung eines winzigen Gläschens auch tunlichst die Finger. Somit verlängern wir unsere Quasi-Abstinenz, die mit Einzug in San Pedro de Atacama aufgrund der Höhenanpassung begann unfreiwillig bis Sucre. Und auch hier weiten wir den Spannungsbogen noch etwas aus und schonen unsere Partykräfte brav bis Freitag. Sucre ist ja schliesslich eine Studentenstadt, und es gibt massig Kneipen zu durchwandern.  

Tja, und dann die Worte der freundlichen Bedienung: Es gibt Essen und Erfrischungsgetränke aber keine alkoholischen Getränke; nein, auch kein Bier.

WIE BITTE?

Am Sonntag sind in ganz Bolivien Regionalwahlen und das hiesige Gesetz sieht vor, dass 48 Stunden vor und am Wahltag keine alkoholischen Getränke konsumiert (!!!!) werden dürfen. Um dies einzuhalten, werden in der Zeit also auch keine alkoholischen Getränke verkauft, weder in Kneipen noch im Laden. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen und dann die Konsequenzen vorstellen, wenn die Linken einen solchen Gesetzes-Vorschlag einreichen würde.

Sowas würde es in Bayern nie geben!

Wow, die Schockstarre löst sich nur langsam und ich überlege, was ich alles anders gemacht hätte, wenn ich das vorher gewusst hätte. Eine Idee wäre gewesen, uns an diesem Wochenende zu einem Yoga-Detox-Retreat (sowas gibt's hier bestimmt auch irgendwo) im Nirwana anzumelden. Dann hätte uns das alles nicht gejuckt. Die andere naheliegendere Idee wäre natürlich gewesen, es am Donnerstag nochmal so richtig krachen zu lassen...wenn ich's mir recht überlege haben die Bolivianer genau das getan: die Innenstadt und ihre Kneipen schienen von Menschenmassen überflutet zu sein und selbst in unserem Hostal (eher ein Hotel) haben die Angestellten einen Umtrunk unter sich veranstaltet. Aber nein, wir wollten ja unsere Partykräfte für Freitag aufheben....

Allen denjenigen, die sich jetzt denken, dass man doch auch ohne Alkohol feiern kann sei noch folgendes gesagt: unsere erste Anlaufstelle am Freitag Abend, eine Cerveceria Artesanal schräg gegenüber des Hotels, die eigentlich eh nur am Freitag und Samstag geöffnet ist, lässt die Pforten gleich ganz zu. Wir schätzen, dass andere reine Trink-Kneipen dem gleich tun. Kneipen, in denen Essen serviert wird, schliessen schon verfrüht um Mitternacht. Nein, hier wird am Wochenende nicht gefeiert; die Leute sollen sich ja schliesslich auf die Wahlen konzentrieren.

Um das Ganze noch zu steigern, erfahren wir, dass am Sonntag Abend aufgrund der Wahl keine Busse nach La Paz fahren. Das Gesetz sieht nämlich weiters vor, dass am Wahltag kein motorisierter Verkehr, Strasse und Luft, zugelassen ist; so soll verhindert werden, dass Leute, die evtl. zwei Wohnsitze haben, an beiden Orten zum Wählen gehen. Nur autorisierte Fahrzeuge dürfen fahren, z.B. um die armen Touristen am Flughafen abzuholen, die sonst dort stranden würden. Internationale Flüge dürfen nämlich landen. Gut dass wir keinen Zeitdruck haben.

Wir finden das alles sehr grotesk und bereiten uns auf einen ruhigen Sonntag im Hostel vor, an einen Ausflug in die Umgebung mit öffentlichen Bussen wagen wir gar nicht zu denken. Am Markt kaufen wir die nötigen Lebensmittel ein, wer weiss, ob am Sonntag überhaupt irgendwas geöffnet ist? Später werden wir uns noch mit der hoffentlich leckeren hiesigen berühmten Schokolade eindecken. Ein Laster muss ja schliesslich bedient werden, an dem sonst so gesunden Wochenende.  

Uns schwant schon ähnlich böses, beim Gedanken an das Osterwochenende in La Paz, aber dazu in einer Woche mehr.



Einige Kneipen machen gleich ganz zu

Die Wein & Bier Regale im Supermarkt sind abgehängt

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Aktuelles

Schwedens Schätze und Stürme: Ein Tag in Mora und Karlstadt

Ein neuer Tag in Schweden begrüßt uns, und nach einem herzhaften Frühstück in unserem gemütlichen Bed and Breakfast in Mora sind wir bereit ...