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Dienstag, 5. Oktober 2021

Italien 2021-III: Faszinierendes Genua

Genua

Faszinierendes Genua

Von den einsamen höhen im Piemont geht es direkt in die geschäftige Hafenstadt Genua, die uns mit ihrem verschlungenen Gassen länger in den Bann zieht, als geplant.

 

14. September

Heute Morgen stärken wir uns ein letztes Mal am Frühstücksbuffet, bevor es für uns heißt Abschied nehmen von Ceaglio. Weiter nach Süden wollen wir. An die Küste. Nach Genua. Warum Genua? Keine Ahnung. Oder eigentlich schon: Bis gestern war der Plan noch nach La Spezia zu fahren zu einem Campingplatz, den wir letztes Jahr schon ausgesucht hatten, als wir die Cinque Terre besuchten. Aber unsere Recherche ergeben, dass die Rezensionen für den Platz richtig schlecht sind - ich sage nur Ratten. Ergo, umgeplant und ab nach Genua. Städte schauen wir ja immer gern an. Auch für Genua haben wir schon einen schönen Campingplatz ausgesucht: Camping Genova Est.

Vorher liegen aber ein paar schöne Bergsträßchen vor uns. Die Route führt uns zum Colle d'Esischie hinauf. Kaum haben wir die 2.000 m Marke überschritten, wimmelt es buchstäblich mit Murmeltieren. Die aber meist schnell das Weite suchen und sich in ihre Höhlen verstecken, wenn sie uns angeknattert hören. Vielleicht auch besser so, denn einen Fuchs sehen wir auch noch. Wir können uns schon denken, worauf der hier oben Jagd macht. 

Die Landschaft hier oben ist wirklich beeindruckend und die Fahrt anspruchsvoll: Kurvig, schmal und in schlechtem Zustand sind die Wege hier - genau wie es uns gefällt. Gleich hinter dem Pass passieren wir das Rifigio Fauniera. Dort kann man sich eine Starbox mieten: ein Holzhäuschen, dessen Dach man öffnen kann und dann die Sterne beobachten.

An Cuneo vorbeigeht es für uns weiter Richtung Süd-Osten. Je näher wir Genua und dem Meer kommen, desto heißer und voller wird es auf den Straßen. Uns schwant böses, denn um zu unserem Campingplatz zu kommen, müssen wir einmal durch Genua durch - von West nach Ost. Bei einer Pause in Savona, planen wir schnell um. Statt im Osten übernachten wir einfach im Westen von Genua. Auch dort gibt es einen Platz - Villa Doria. Und als wir ankommen, ist es mal wieder ein Glücksgriff: Mitten in einem Park gelegen, grün und ruhig. Und trotzdem mitten in der (Vor)Stadt.

Kaum steht das Zelt, geht es runter ins Städtchen. Ein Bummel an der Marina entlang. Ein Apero hier, ein zweiter da, bevor es köstliches Essen in einem kleinen Restaurant gibt. Müde und satt erklimmen wir die Stufen zu unserem Platz. Morgen steht Kultur in Genua auf dem Plan. 


15. September

Mit dem Pendlerzug geht es von Pegli (so heißt der Vorort) nach Genua. Auf dem Weg gibt es noch ein Brioche zum Frühstück. Leider haben wir keine Stadtführung gefunden, aber wir haben einen Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von unserem Campingplatz bekommen. Dort hat man uns auch das mit dem Tagesticket erklärt und gleich eines Verkauft. Jetzt können wir den ganzen Tag lang mit allen Verkehrsmitteln fahren - sogar mit dem Foniculare, eine Art Seilbahn. 

Leider finden wir keine Stadtführung in Genua. Also erkunden wir die Stadt zu Fuß selbst. Es gibt einige Spaziergänge die ausgeschildert sind. Das hilft aber nur bedingt, in den engen, verwinkelten und dunklen Gassen der Hafenstadt. Aber dann öffnet sich eine Gasse auch immer wieder in einen kleinen Platz. 

Zum Mittagessen gibt es natürlich Pasta mit Pesto Genovese. Unser tolles Nahverkehrsticket nutzen wir noch aus um zum malerischen Fischerdorf Boccadasse. Von dort aus flanieren wir an der Uferpromenade zurück Richtung Hafen. Von dort geht es mit dem Bus wieder zurück Richtung unserer Motorräder. Wir lassen den Tag beim Apero und einem schönen italienischen Essen in Pegli ausklingen.

16. September

Heute Nacht kam ein ordentliches Gewitter herangezogen. Auch jetzt am Morgen ist es noch trüb und es nieselt leicht. Der Entschluss noch einen Tag zu bleiben ist deshalb schnell gefasst. In Genua gibt es noch genügend Dinge zu entdecken. Zum Beispiel die Fotoausstellung an der wir gestern schon vorbeigekommen sind. Genau das richtige für einen Regentag.

Ich Genua angekommen scheint aber schon wieder die Sonne und die Ausstellung macht auch erst am Nachmittag aus. Also setzten wir unseren Spaziergang durch die Stadt fort. Entdecken ein wunderbares kleine Restaurant, wo wie bei Spumante und Fisch warten bis die Ausstellung die Türen öffnet.

Später fahren wir noch mit dem Foniculare zum Righi Aussichtspunkt. Auf dem Rückweg steigen wir mal ein paar Stationen früher aus, um mal einen anderen Vorort zu sehen. Wir haben Glück und finden einen tollen Bio-Eis laden. Danach hangeln wir uns über ein paar Apero stops zurück zu unserem Campingplatz.

Neben unserem Zelt steht jetzt eine rote BMW 800 GS Adventure, die einer Bikering aus Basel gehört. Sie hat (wir haben mal wieder vergessen nach dem Namen zu fragen) vor einiger Zeit eine Tour durch Südamerika gemacht. Uns so quatschen wir noch einge Zeit über das Reisen, Motorradfahren und Südamerika.

Mittwoch, 29. September 2021

Italien 2021-II: Luxus im Piemont

Val Maira

Luxus im Piemont

Erst in Hotel in Alba, dann weiter in ein Albergo Difisuio im Val Maira. Fünf Gänge Menüs und Apero im Liegestuhl. Wenn das mal nicht echter Luxus ist.

11. September

Alba ist unser Ziel. Die Stadt hat es uns 2017 nicht so leicht gemacht, weil sie uns mit strömendem Regen gleich wieder in die Flucht geschlagen hat (Piemont 2017). Heute aber meint es das Wetter gut mit uns. Fast zu gut. Die Fahrt durch die Poebene ist heiß und langweilig. Da kann man auch mal ein paar km Autobahn fahren. 

In Alba haben wir uns ein gestern noch ein Hotel gebucht, das nicht weit vom Zentrum liegt. Mit Parkplatz. Als wir dort vorfahren, empfängt uns direkt der Bellboy und zeigt uns den Weg zur Tiefgarage. Wir wollen aber erstmal unsere verschwitzen Klamotten loswerden und auch gleich das Gepäck abladen. Der gute Mann staunt nicht schlecht, als wir in wenigen Minuten seinen Gepäckwagen mit Klamotten, Kofferinhalt, Tankrucksäcken und Helmen vollpacken. Bazar sage ich nur.

Kurz frisch gemacht und ab in die Stadt. Es dauert keine Viertelstunde und wir halten unseren ersten Apero auf dem Platz in der Hand und schauen uns das bunte Treiben an. Wir bummeln weiter durch die Stadt und ersetzen das Abendessen heute einfach mal mit den leckeren Apero Schmankerln, die hier überall gereicht werden: mal kleine Pizza Schnitten, Sandwiches, Oliven und Chips, dann wieder etwas Bruschetta - so kann man es aushalten.

Als es Abend wird, änder sich da Publikum auf den Straßen: Die Familien gehen nach Hause und dafür kommt die Jugend und trinkt sich warm bevor es in die Clubs geht. Wir beobachten das Spiel eine Weile, bevor wir das Feld räumen und ins Hotel zurückkehren.


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12. September

Von Alba ist es nur ein Katzensprung in die Maira. Als ich das letzte Mal vor vier Jahren hier war, hat mir das so gut gefallen, das ich es unbedingt Kerstin zeigen wollte. Ich habe uns ein Zimmer in dem Albergo Difusio Ceaglio reserviert. So nennt man die Hoteldörfer: Alte Bauerndörfer, die in Hotels und Pensionen verwandelt wurden. Die Fahrt führt uns durch das idyllische Dorf Dronero mit seiner beeindruckenden Brücke. Weiter geht es durch das Val Maira und dann steil hinauf nach Ceaglio. Wir können zwischen einem kleinen Zimmer im Dorf, oder einem größeren Appartment etwas außerhalb wählen. Die Appartmenthäuser sind neu gebaut, die gab es 2017 noch nicht. Wir entscheiden uns natürlich für das Zimmer im Dorf. Das macht ja den Charme der ganzen Sache aus, dass man in alten Gemäuern schlafen kann. 

Im Liegestuhl auf dem 'Dorfplatz' genießen wir die Nachmittagssonne und beobachten wie sich ein Gewitter in den Bergen gegenüber zusammenbraut, das aber nicht zu uns zieht. Punkt sieben läutet die Glocke zum Abendessen. Es gibt ein wunderbares, hausgemachtes, fünf Gänge Menü. Und wie bei Mama, bekommt man Nachschlag, wenn man will. 

13. September

Nach zwei Fahrtagen wollen wir heute die Gegend zu Fuß erkunden. Direkt vom Dorf aus gibt es verschiedene schöne Wanderrouten. Wir entscheiden uns für eine Rundwanderung, die uns durch einige Bergdörfer führt. Die meisten sind verlassen, aber es gibt auch Appartmentanlagen und sogar ein Wellnesshotel (Brieis Relais Alpino). Zurück in unserem Dorf, chillen wir entspannt in unseren Liegenstühlen, bis uns die Glocke wieder zum Essen ruft.


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Freitag, 10. September 2021

Italien 2021-I: Ab zum Comersee

Comersee

Ab zum Comersee

Mit genügend Zeit im Gepäck starten wir die Anreise nach Italien entspannt. Erste geplante Station soll der Comersee sein, der Rest ergibt sich - wie immer.

8. September 2021:

Ohne Wetterapp ging gar nichts,  die letzten Tage. Jetzt, Anfang September, ist das Wetter wechselhafter als im Hochsommer. Trotzdem wollen wir auch dieses Jahr wieder Zelten wo es geht. Auf den Comersee als erstes Ziel haben wir uns schnell geeinigt. Auch da hab ich eine schöne Unterkunft, einfach aber mit tollem Blick über den See. Aber wie so oft, hat Kerstin eine bessere Idee: Einen Campingplatz, in einem Weinberg. Klar, dass ihre Augen da leuchten. Schnell mit dem freundlichen Besitzer telefoniert und eine Parzelle ist reserviert. Na dann, kann es ja losgehen.

Auf dem Mittleren Ring stapeln sich die Autos. Feierabendverkehr. Sowas kommt davon, wenn man den letzten Arbeitstag zum ersten Reisetag macht. Egal, wir schwitzen 45 Minuten in unsere Anzüge, bevor uns der Fahrtwind auf der A95 wieder abkühlt. Erstmal gilt es, Kilometer machen. Immer nach Süden Richtung Garmisch. Kerstin fährt voraus. Auf dem Silberrücken (unsere 1200er GS) ist sie gut geschützt vom Fahrtwind. Ich muss auf meiner Ténéré ganz ordentlich am Gasgriff, um nicht abgehängt zu werden.  

In Garmisch folgen wir den Schildern zum Fernpass. Biberwir heißt unser Ziel für heute, wo wir uns eine nette Pension erwartet. Auch wenn es nur knapp zwei Stunden Fahrt waren, fühlt es sich jetzt schon an wie der erste Urlaubstag.

Man spricht Flämisch in Biberwier. Sogar das Restaurant, in dem wir zu Abend essen, heißt "Brabant", wie das Herzogtum in Flandern. Die Pommes sind nicht ganz belgisch, aber trotzdem lecker. Das Bergpanorama steigert unsre Urlaubsstimmung. Und ratet mal, wer morgen als erster auf dem Fernpass ist?
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9. September 2021

Traumhaftes Wetter begrüßt uns heute. Kaisersemmeln, Wurst- und Käseaufschnitt, selbstgemachte Marmelade und ein Ei für jeden erwartet uns im Frühstücksraum zum vorher vereinbarten Zeitfenster. Corona lässt immer noch grüßen. So gestärkt geht es auf zur ersten richtigen Etappe: über das schweizerische Engadin und St. Moritz nach Domaso am Comersee. Den Reschen lassen wir schnell hinter uns. Statt Stilfserjoch und Umbrail, nehmen wir den Ofenpass in die Schweiz. Durch das malerische Val Müstair geht es bis Zernez. Dann links in das Engadin. Durch das mondäne St.Moritz (das jetzt im Spätsommer eher verlassen wirkt). Am Molojapass endet das Hochtal mit einer wunderbaren Serpentinenstrecke. Für uns ist der Pass eine Premiere. Am liebsten wären wir gleich wieder hochgefahren.

Gleich hinter dem Pass kommt die italienische Grenze. Unaufhaltsam nähern wir uns dem Tagesziel: Comersee. Unser Campingplatz liegt am Nordende des Sees, in Domaso. In einem Weinberg. Die Betonung liegt auf Berg, denn der Weg dahin hat es in sich und ist definitv nicht für Campervans geeignet: schmalste Sträßchen geht es hoch. Immer wieder um Haarnadelkurven und als am Ende auch noch Kopfsteinpflaster kommt, hält Kerstin erstmal an und lässt mir den Vortritt. Erstmal gilt es herauszufinden, ob wir überhaupt auf dem rechten Pfad sind. Umdrehen in einem schmalen Gäßchen ist nicht so unser Ding. Aber alles passt und Andrea vom Agrar Camping Colle Vento erwartet mich schon. Kerstin folgt mich nach kurzem Signal.

Der Campingplatz ist wirklich ein Traum. Es ist in Wirklichkeit ein Zeltplatz, weil nur Zelte erlaubt sind (Camper hätte eh keine Chance). Die Parzellen sind wirklich mitten im Weinberg und es gibt insgesamt nur 15 davon. Ein echtes Paradies mit Blick auf den See. Natürlich gibt es auch einen Kühlschrank mit einem Stiefelbier für mich und eigenem Wein für Kerstin. Nicht zu vergessen der Brötchenservice zu Frühstück - das hilft wirklich, bis in die Stadt gilt es einige Höhenmeter per Stufen zu überwinden. 

Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen haben, schlendern wir gleich mal nach Domaso hinunter in ein Restaurant, das uns Andrea empfohlen hat. Das Essen und der Wein dort sind köstlich. Fatalerweise auch der Grappa, was den Rückweg etwas mühsamer macht. 
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10. September - Wandertag

Nach zwei Fahrtagen werden die Beine heute mal für etwas anderes genutzt, als fürs Schalten. Gleich oberhalb des Campingplatzes führt ein schöner Rundwanderweg durch einsame Bergdörfer zu einer kleinen Kapelle mit einem wunderbaren Blick über den See.

Weiter geht es nach Livo, einer kleinen Ortschaft, wo wir auf eine Einkehr hoffen. Leider vergeblich: Das einzige Restaurant im Dorf hat heute Ruhetag. Da kann man nichts machen, außer nochmal 4 km durch ein schönes Tal zur Crotto Dangri laufen. Das entpuppt sich eher als eine Berghütte als ein Restaurant. Die hausgemachten Buchweizenpasta und sehr nahrhafte Polenta sind dann aber genau das, was wir brauchen.

Wieder zurück an unserem Zelt, genießen wir den Sonnenuntergang mit Antipasti, Wein vom Weinberg und ein paar Bier für mich.

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