Sumatra - Orang-Utans, Makaken und andere Affen


SUMATRA - schon der Name verspricht Dschungel, Abenteuer, Orang-Utans, Tiger und vieles mehr. Leider ist unsere Zeit viel zu kurz - unser Visum für Indonesien läuft in wenigen Tagen aus - und wir können deshalb nur einem sehr kleinen Teil der Verlockungen folgen. Unsere Wahl fällt auf die Orang- Utans, die Menschen des Waldes. Nur in Sumatra und auf Borneo kann man diese Primaten noch in ihrer natürlichen Umgebung sehen.

Unser Flieger von Bali landet in Medan, der 3. grössten Stadt Indonesiens. Trotzdem nicht wirklich eine Touristenattraktion. Der neue Flughafen ist seit kurzem leider nicht mehr im Stadtzentrum, sondern gute 40km ausserhalb, was uns eine gut einstündige Busfahrt beschert. Aber diesmal ganz ohne Diskussion und Verhandlung: Die Preise sind fix, fair und stehen überall groß angeschrieben.

Da wir spät am Abend ankommen, haben wir schon im Sultan Guesthouse reserviert und unser Bus setzt uns nur wenige Meter davor ab. Unser Zimmer ist fensterlos, klein und einfach und vor allem HEISS. Auch der Ventilator bringt keine Kühlung und so haben wir einen unruhigen, fiebrigen Schlaf.

Dafür sind wir schon früh wach und begeben uns direkt per Bemo zum Busbahhof, von wo uns ein Bus nach Bukit Lawang bringt. Auch diesmal problemlos und ohne viel Verhandlung. Wir zahlen nur 5000 mehr als normal und das ist OK in Anbetracht unseres großen Gepäcks.

Wie immer füllt sich der Mini-Bus während der Fahrt zusehends und saßen wir am Anfang noch zu zweit auf unserer Bank, teilen wir die Sitzfläche bald mit zwei weiteren Indonesiern, zwei weitere teilen sich eine Bierkiste, die vor der Tür steht.

Die meiste Zeit geht es durch unendliche Palm-Öl Plantagen. Links und rechts der Strasse stehen die Palmen in Reih und Glied, soweit das Auge reicht. Das war früher alles mal Regenwald. Auch die Lastwagen die uns entgegenkommen sind voll mit den Palm-Früchten auf dem Weg zur Öl-Mühle, die wir ebenfalls passieren.

Bukit Lawang ist ein verschlafener Ort am Fluß und am Rande des Gunung Leuser Nationalparks, in dem die Orang Utans von Sumatra Zuflucht finden. Das der Ort verschlafen ist, fällt uns schon am Busbahnhof auf, wo keiner der in der Sonne dösenden Rikschaw Fahrer auf uns zustürmt, wie es sonst immer der Fall war. Einzig ein einsamer Guide bietet uns ein Guesthouse und eine Trekking Tour an und besorgt uns einen Rikschaw Fahrer mit dem wir ins Dorf kommen.

Im Dorf reiht sich ein Guesthouse an das andere und da totale Nebensaison ist, hat Kerstin die große Auswahl. Während ich ein Bier trinke, auf unser Gepäck aufpasse und mit einigen Einheimischen plaudere (viele sprechen hier tolles deutsch), checkt Kerstin unsere Unterkunftsoptionen für die nächsten Tage. Die Auswahl fällt auf Nora's Rain Forest Guesthouse. Von drei Schwestern betrieben und sehr herzlich und familiär. Und unser Zimmer hat eine Terrasse und eine Hängematte - was will man mehr.

Kaum eingezogen machen wir uns gleich auf die Orangs zu finden. Der einfachste Weg ist an einer der zwei Fütterungen teilzunehmen, die immer um 8:30 oder 15:00 Uhr im Orang Utan Center stattfinden. Dort wurden bis vor einigen Jahren Orangs aus privaten (illegalem) Besitz wieder ausgewildert. Diese Halb-Wilden Orangs werden immer noch zweimal am Tag mit ein paar Bananen gefüttert, wenn sie denn vorbeikommen, sind aber größtenteils voll selbständig und Teil der wilden Orang Population. Wahrscheinlich ist es auch ein Weg Geld für den Betrieb und Erhalt des Parks zu erwirtschaften.

Wir haben Glück und können aus nächster Nähe eine Orang Mama mit ihrem Baby beobachten, wie sie in ungeheurer Geschwindigkeit eine Banane um die andere schält und verspeist. Das Baby krallt sich derweil am Rückenfell fest.

Die zweite Möglichkeit Orangs zu sehen ist eine ein- oder mehrtägige Trekkingtour durch den National Park. Das geht natürlich nur mit Guide und irgendwie sind wir der Dschungeltreks müde. Aus diversen Gründen (u.a. weil wir hören, dass einige Guides die halbwilden Orang-Utans mit Früchten näher heran locken, was deren Wiedereinwilderung nicht wirklich fördert) entscheiden wir uns letztlich gegen eine solche Tour auf dass die Orang Utans ihre Ruhe haben.

Im Dorf gibt es schliesslich auch Affen: Kerstin sieht gleich anfangs ein paar seltene Thomas Leaf Affen und überall toben freche Makaken rum, die sogar unser Fenster aufmachen, unsere Sachen durchstöbern und unsere Kekse klauen.

So gehen wir ohne Proviant zu Erkundung der Bat-Cave (da muss ich als eingefleischter Batman Fan natürlich hin). Die Höhle ist tatsächlich riesig. Leider sind unsere Stirnlampen zu schwach und wir trauen uns nur die ersten dutzend Meter hinein, Das Geschrei der Fledermäuse kann man aber schon da deutlich hören.

Auf dem Rückweg machen wir noch Station beim Childrens Home, einer von einer Holländerin und einem Indonesier gegründeten Einrichtung für die Kinder von Bukit Lawang, die unter den Folgen einer schweren Flut 2003 leiden. Damals sind über 400 Menschen umgekommen, fast die Hälfte des Dorfes und viele Kinder wurden zu Waisen oder Halbwaisen. Wir unterhalten uns mit der Leiterin und es ist toll was die zwei hier seit 2008 aufgebaut haben. Da sie von Spenden unabhängig sein wollen, gibt es verschiedene Projekte, z.B. das Cafe in dem auch wir sitzen. Das wichtigste Projekt ist aber eine Gummibaum Plantage, die sowohl Arbeitsplätze für die Familien schafft, als auch genügend Geld abwirft, um das Childrens Home weiter zu betreiben. Wir unterstützen das Ganze gerne und sponsorn einige Gummibäume.

Den Mittag vertrödeln wir am Fluß, der etwas Abkühlung bringt und machen es wie die Dorfbewohner: wir shampoonieren uns die Haare, dieses Bad ersetzt die spätere Dusche (das Wasser aus unserer Dusche ist höchstwahrscheinlich auch nur Flußwasser).

Eines muss noch gesagt werden zu Bukit Lawang:
Wir haben in ganz Südost Asien nirgends so freundliche, offene und herzliche Leute getroffen. Das ganze Dorf scheint happy zu sein, überall wird man herzlich begrüßt, die Verkäufer sind nicht aufdringlich sondern relaxed und tratschen auch mit einem, wenn man keine Tour bucht oder bereits in einem anderen Guesthouse wohnt. Natürlich haben wir überall freundliche Menschen getroffen, aber ein ganzes Dorf, ohne Ausnahme - das ist neu.

Am Freitag geht es wieder zurück nach Medan und gleich weiter nach Penang, Malaysia, wo wir ein paar Tage Georgetown und Umgebung erkunden.




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blogged by Phoney

Kommentare

Unknown hat gesagt…
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