Sonntag, 17. November 2013

Punkt 5:30 Uhr piept mein Handy: Eine SMS von Dilu, 'I am waiting at your door'. Also pünktlich sind sie schon mal unsere Organisatoren von Glacier Family Treks. Mit dem Taxi geht es dann zum Busbahnhof durch das noch recht ruhige und verschlafene Kathmandu. Syam, unser Führer für die Tour ist auch schon mit dabei. Am Busbahnhof treffen wir dann auch Man, genannt 'Soliti', unseren Porter. Am Busbahnhof herrscht schon reges Treiben: etliche Trekker rennen aufgeregt umher und suchen den richtigen Bus zu den verschiedenen Trekkingzielen. Dank unseres Guides bleibt uns das erspart und wir finden ohne Umwege unseren Bus, sind sogar die ersten und erhalten (die vermeintlich) besten Plätze, gleich ganz vorne im Bus.

Nach und nach füllt sich der Bus. Viele unserer Mitfahrer sind auch Trekker, mal alleine, mal mit Guides und Porter wie wir. 7:00 Uhr gehts los (6:40 war geplant, aber 20min. Verspätung sind ja nix). Der Bus ist inzwischen bis auf den letzten Platz belegt, wobei sich ganz hinten das Gepäck stapelt da das Dach schon mit anderem Zeug voll beladen war. Kaum aus der Stadt heraus lehnt sich der 'Schaffner' aus der Tür und ruft den an der Strasse Wartenden unser Ziel zu, macht mit Pfeifen auf sich aufmerksam während der Busfahrer durch Hupen die Fahrgastsuche unterstützt. Und so füllt sich auch der Gang und alles was nach Hohlraum aussieht nach und nach. Erst werden die Plätze im Führerhaus vergeben, später gibt es dann Bambusschemel für die Gäste die sich im Gang niederlassen und der Rest versucht halt halbwegs ins Innere zu kommen und einen Halt zu finden.

Die ganze Fahrt dauert über acht Stunden, inkl. Pinkel und Tee - Mittagspausen. Achja - ein Umzug wird auch noch nebenher erledigt, das ist die Fracht auf dem Dach. Unsere Plätze vereinen die Beinfreiheit einer Ryanair und dem Sitzplatzangebot einer Bierbank. Einfach nicht designt für den europäischen Körperbau. Und so fühlt sich das ganze an wie eine Tortur bei der nach und nach alle Gliedmaßen und sonstiges absterben ( zumindest dem Gefühl nach). Kerstin ist da entspannter und schläft gefühlt 7 von den 8 h.

Endlich aus dem Bus raus und startklar für zumindest ein Stündchen Fußmarsch kommt die Ernüchterung: es ist noch 2 h Jeepfahrt geplant und davon läßt sich Syam nicht abbringen.
Nach 1 h Wartezeit erklimmen wir beide den Beifahrersitz des Jeeps, der definitiv nicht für 2 Europäer ausgelegt ist. 2,5 Stunden über übelste Pfade (die GS hätts gefreut), das letzte Stück im Dunkeln, ein Nepalesi auf dem Dach um vor allzu großen Gefahren zu warnen. Constantin muss sich aufs übelste verrenken und festhalten, damit der Fahrer noch schalten kann und er nicht beim nächsten Schlagloch selbigem in den Schoß oder ins Lenkrad fällt, was uns unweigerlich in die Tiefe befördern würde, die wir am Fahrbahnrand erahnen.

In Jagat ankgekommen, fallen wir nach dem Essen erschöpft und immer noch voller Adrenalin ins Bett. 7:30 soll es morgen losgehen, dann endlich zu Fuß.

Trek nach Taal (1.700m)

Wir haben toll geschlafen in unserem einfachen Zimmer. Die Morgenwäsche wird gleich draussen am großen Brunnen erledigt. Später wird hier auch das Geschirr und die Wäsche gewaschen. Das Frühstück ist reichhaltig: Omlett, Bratkartoffeln und Müsli. Das ist die richtige Grundlage für unseren Marsch nach Taal heute. Pünktlich um acht marschieren wir los. Man, unser Porter packt sich unseren und seinen Rucksack auf den Rücken. Auf den Hüftgurt verzichtet er, stattdessen hat er eine Tragehilfe am Rucksack angebracht, die er mit der Stirn hält. Wir sehen andere Träger die sich gleich 3 grosse Wanderrucksäcke umbinden. Da schwindet dann unser schlechtes Gewissen wegen des vollen Rucksacks.

Der Weg nach Taal ist einfach zu gehen. Teilweise folgen wir der Strasse (wobei Strasse sich auf Jeeppiste bezieht, die ohne 4WD nicht zu bewerkstelligen ist), manchmal können wir auch auf den alten Weg abbiegen, der aber teilweise dem Strassenbau zum Opfer gefallen ist. Immer wieder überqueren wir den Fluß Marsiandi, dem wir immer weiter und höher ins Tal folgen.

Nach gerade mal 4 Stunden kommen wir in Taal an, wo sich ein hübsches Guesthouse an das andere reiht. Wahrer Luxus erwartet uns hier: Doppelbett und Bad/WC Ensuite. Da es heute meist bewölkt war, ist die Solardusche sehr erfrischend. Mittags sitzen wir noch draußen, aber bald wird es kälter und ein Wind kommt auf, der uns in die Gaststube treibt. Weil es nirgends eine Heizung gibt, ist das Zwiebelprinzip angesagt: Über T-Shirt, Fleece kommt dann eben noch die Daunenjacke und schon friert man nicht mehr.

Von Taal nach Temang (2.700m) über Baharchhap

Unser Guide hat wohl erkannt, dass wir keine Anfänger sind was das Wandern angeht. Also beschließt er unsere heutige Tour zu verlängern: Statt nur nach Baharchhap zu gehen, was ungefähr 4 Stunden wären, machen wir dort dann Mittag und gehen direkt weiter Richtung Temang. Von dort soll es einen fantastischen Ausblick auf das Annapurna Massiv geben mit zwei Achttausendern hier - Annapurna 2 und 3 (es gibt hier soviele 8000er, da gehen einem die Namen schonmal aus).

Wie gestern starten wir um acht. Wieder gilt es einige schaukligen Hängebrücken zu überwinden, weil unser Pfad mal links mal rechts vom Fluß verläuft. Leider auch immer mal wieder auf der Jeeppiste. Links und Rechts gehen die Berge fast senkrecht in die Höhe und immer wieder stürzen sich imposante Wasserfälle in die Tiefe.

In Baharchhap machen wir Mittagsrast. Immer wieder treffen wir unterwegs andere Wanderer. Hier sind es Ute und Rainer, mit denen wir gemeinsam Mittagessen und dann - da wir das gleiche Ziel für die Nacht haben - weiter nach Temang wandern. Rainer ist schon zum Dritten Mal hier und hat einige Tipps parat. Mal sehen was wir davon gebrauchen können.

Das letzte Stück unserer Etappe heute ist kurz aber steil. Das schöne Wetter hat sich auch verabschiedet und mehr und mehr Wolken ziehen über die Gipfel, so das kurze Zeit später der ganze blaue Himmel verhangen und grau ist. Dazu wird es auch merklich kühler. Kurz vor unserem Ziel fallen dann die ersten Tropfen aus denen schnell ein Graupelschauer wird. Zum Glück ist es nicht mehr weit und wir verzichten auf das Anlegen der Regenkleidung und kommen dafür etwas feucht in unserer Unterkunft an.

Auch heute ist es wieder sehr kalt, geheizt wird nur in der Küche durch das Kochfeuer. Doppel-Fleece und Daunenjacken tun wieder gute Dienste.

Als wir nach dem Abendessen und einer Runde Canasta zu unserem Zimmer gehen, ist der Himmel aber schon wieder sternenklar und wir sind guter Dinge, das wir morgen das tolle Panorama auch genießen können.

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blogged by Zenzi39


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