Worin unterscheidet sich eigentlich die Wüste vom Rest Irans?


Irgendwie denke ich die letzten Tage immer wieder an einen Song: '36 Grad und es wird immer heiße…’ was ein Wahnsinn. Darum fragen uns wohl auch viele Iraner (u.a. immer wieder die freundlichen Polizisten, die uns abwechselnd aus Jux und Dollerei anhalten, nur um mal mit uns Bikern zu ratschen), warum wir durch Iran reisen, hier sei es doch so heiß. Wo sie recht haben, haben sie recht, die Iraner.

Aber eins nach dem anderen. 
Das 4:0 gegen Portugal haben wir uns in Yazd natürlich nicht entgehen lassen; im Silk Road Hotel und Restaurant haben wir nach lecker Abendessen bei 0% Bier (mit Limonengeschmack, nix für mich; Constantin meint: schmeckt wie Radler ohne Bier) quasi gefeiert.

Ralf brütet schon hier den Gedanken aus, dass man doch mal durch die Wüste gefahren sein muss (er hat schon viele Wüsten passiert) und beim Frühstück entscheiden wir uns dann tatsächlich, unsere Route nach Norden mit einem ca. 600km Schlenker über Khur (Chur) durch die Dasht-e-Kavir (auf befestigter Strasse) zu würzen, um einmal eine Nacht in der Wüste zu verbringen. 

Weil es schon zu spät und zu heiß zum losfahren ist, brechen wir erst gegen 16 Uhr auf, obwohl es dann nur unwesentlich kühler wird. Wir fahren ca. 3 h, schlagen unser Camp unweit der Strasse auf (aber sichtgeschützt) und geniessen nachts den tollen Sternenhimmel.

Die 3 nächsten Morgende stehen wir schlauerweise frühmorgens auf, um jeweils zwischen 6.30 und 8 Uhr bei angenehmer Temperatur weiter nach Na’in und dann am Rande der Kavir Wüste nach Norden zu fahren. Die Wüstenlandschaft ist erstaunlich abwechslungs- und farbenreich und wir sehen tatsächlich nicht nur die Kamel-Warnschilder sondern eine Kamel-Familie in der Ferne ohne Kameltreiber. Sogar zwei halbverweste bzw. von Geiern gegessene große Tiere (ich tippe auf Rinder) liegen am Strassenrand, ganz so wie wir uns das in der Wüste vorstellen. Immer wieder passieren wir auch alte, verfallene Karawansereien, die mit ihren Türmen aussehen wie große Sandburgen die zu lange in der Sonne gestanden haben.

Wir passieren einige Oasen-Ortschaften, die teils sehr stereotypisch aussehen (Palmenhaine, Lehmhäuser, Türmchen, etc.).

Die schlimmste Mittagshitze verbringen wir ruhend im Schatten eines Baumes (sofern einer da ist) oder an einem der vielen Picknickpavillions.

Unsere Iron Butt Route führt in 3 langen Tagesetappen (max. 500km) ins Alamut Valley (siehe 'Im Tal der Assassini'). Unterwegs besichtigen wir das idyllische Bergdorf Abyaneh und eines der Bürgerhäuser in Kashan. Qom lassen wir großzügig rechts liegen; wir werden es überleben das Grab der Fatima nicht vor Ort besichtigt zu haben. Und obwohl wir spätestens nach der 2. Nacht offiziell nicht mehr in der Wüste sind, sieht es links und rechts entlang der Strassen arg wüstenhaft aus…keine Ahnung, was hier anders sein soll (ausser die dichtere Besiedlung) als in der richtigen Wüste. Erst am letzten Tag, beim Annähern an das bergige Alamut Tal wird es endlich grüner. 

Da Ralf uns bis hierher begleitet hat ist nun endgültig für ihn entschieden: er wird nicht wie ursprünglich geplant, durch Pakistan Richtung Indien fahren. Da haben wohl zu viele Leute abgeraten und die geringe Anzahl der insgesamt Reisenden in die Richtung war wohl letztendlich ausschlaggebend. Anscheinend sind in den letzten 30 Tagen nur 5 westliche Touristen(-paare) die polizeieskortierte Strecke durch Baluchistan gefahren. Und einen potentiellen Mitfahrer hat Ralf bis Yazd nicht gefunden. 

Auch gut für uns, er ist doch unser toller Übernachtungsplatz-Scout in der Wildnis.

Blick über Yazd

Yazd by Night

Unser Wüsten Camp

Verfallene Karawanserei in der Wüste

Drei im Sand

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blogged by Zenzi39

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