Über zwei Pässe zum Kaspischen Meer


In unserem Golestan Garden bleiben wir 2 Nächte. Gleich morgens früh wandern wir zur Alamut Festung hinauf und geniessen in der Morgenkühle und Einsamkeit den Traumblick über die grüne Berglandschaft. Den Rest des Tages können wir dann zur Belohnung auf dem Diwan im Kirschgarten sitzen und uns die Bäuche mit den leckeren Kirschen vollschlagen.

Der weitere Weg Richtung Kaspisches Meer führt uns über Masuleh, welches als ‚picturesque mountain village‘ in der Karte steht. Auf dem Weg dahin erfahren wir, wie es ist bei heftigsten Windböen zu fahren, die aus immer wechselnden Richtung über uns dahinziehen (Nahe Sefid Rud Reservoir).

Der Ort Masuleh selbst ist so toll nicht. Wir sind morgens da, sind überrascht, weil schon so viele iranische Touristen da sind, und wir fühlen uns  wie die Hauptattraktion, da wir und unsere Bikes massenweise fotografiert werden.

Aber die Umgebung ist durchaus nett anzusehen, endlich mal grüner Wald und almige Berglandschaft. Von hier führt eine tolle Passtrasse hinauf auf ca. 2300m. Endlich mal ein Bergsträsschen wie es uns gefällt: Schmal, steil, kurvig. Sogar richtige Serpentinen gibt es. Der Kitzel wird noch dadurch gesteigert, das der erste Teil bis zum Pass und etwas weiter unbefestigt ist. So können wir unsere Schotter und Off-Road Erfahrungen weiter ausbauen. Die Wolken hängen kurz unter der Passhöhe, weshalb es am Ende noch etwas neblig wird. Das letzte Stück bis Khalkhal ist dann wieder asphaltiert, aber genauso schön kurvig. 

Jetzt trennt uns nur noch ein Gebirgszug vom Kaspischen Meer und  Hashtpar am selbigen.

Auch diese Strecke ist eine Bergstrasse vom feinsten, allerdings mit deutlich mehr Verkehr. Und wieder geraten wir in Nebel durch tiefhängende Wolken. Jetzt aber richtig dicke Suppe, wir sehen keine 10m weit und kalt wird es auch, die Temperatur ist nur noch 1-stellig.

Die Nebelwolken ziehen vom Tal hoch

Ralf machts vor wie es richtig geht


Interessanterweise halten es die Iraner nach wie vor für unnötig ihr Licht einzuschalten; vielmehr machen sie uns auch weiterhin durch Lichthupe darauf aufmerksam, dass wir mit Licht fahren, obwohl doch Tag ist….oh mann, wer soll das noch verstehen? Dabei haben wir sogar extra unser Warnblinklicht an, damit wir uns gegenseitig zumindest noch einigermassen sehen können.

Aber auch diese Kälte und den Nebel überstehen wir, so dass wir alsbald die vielen Kurven bis auf Meereshöhe (bzw. <0m NN) hinabgleiten können; die Temperatur steigt wieder, die Luftfeuchtigkeit auch, das Fahrverhalten der Iraner bleibt konstant wahnsinnig.

Bei Hashtpur schlagen wir unser Zelt am Tourist Beach auf, ein eingezäunter riesiger kombinierter Picknick- und Campingplatz, wo es auch ‚Chalets‘ zu mieten gäbe. Aber wir bevorzugen das Zelt und lauschen der ‚Meeresbrandung’. Wir werden hier erstaunlicherweise relativ wenig angesprochen, kriegen aber wie erwartet dennoch bald ein Süppchen und Obst zu essen geschenkt. Es ist nicht mehr so heiß, wie in der Wüste, allerdings richtig schwül, so wie es dem hier angebauten Reis gefällt. 

Ralf stürzt sich sogar in die Fluten des Meeres, wird aber gleich von einem Sittenwächter wieder rausgejagt, weil er wohl an einer Stelle schwimmen ging, die dafür nicht vorgesehen ist. Schwimmen ist ja strickt nach Männlein und Weiblein getrennt hier und dazwischen gibt es vieeel Abstand, damit man sich gegenseitig ja nix wegschauen kann.

Von hier geht’s über Astara (Azerbaidschanische Grenze) wieder aufs kühle Hochplateau nach Ahar kurz vor Tabriz, wo der letzte Übernachtungsstopp ist, bevor wir am 25.6. nach Armenien reisen werden (Grenzübergang Meghri). 

Wir haben nämlich den Plan, das letzte Vorrundenspiel der Deutschen mit richtigem Bier in der Hand zu gucken! 


Kerstin als Motorrad fahrende Frau ist wieder mal der Hit

Passt kaum auf's Moped, will aber ein Foto haben ....
Unser Lagerplatz am Meer

Das Kaspische Meer ... eigentlich nur ein sehr großer See



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blogged by Zenzi39  

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