Weiter nach Mardin, wo Glockentürme und Minarette die mesopotamische Tiefebene überragen


Weil es am 2. Morgen in Karadut immer noch arg gewittrig ist, entscheiden wir spontan, das Wetter hier auszusitzen und einen Ruhetag einzulegen. Ralf, der KTM Fahrer, ist natürlich auch dabei; Melanie, Alex und ihr 4-jähriger Sohn Vincent mit Mercedes-Mobil unterwegs, machen auch mit. Und so chillen wir den ganzen Tag am Platz, ab mittags sogar wieder in der Sonne, sodass die Zelte schön trocknen können. Abends gibt's noch im Mercedes-Bus eine Robin Hood Kinovorstellung (Zeichentrickfilm von 1973); Vincent findet den Besuch bei sich zu Hause besonders klasse...

Aber wir wollen ja weiter gegen (Süd-)Osten, also fahren wir frühmorgens los Richtung Mardin. Anfangs ist es noch leicht hügelig, mit einer Mini-Fähre auf die wir die Motorräder rückwärts schieben müssen (hätte ich nie geschafft), müssen wir über einen Stausee fahren, aber spätestens ab Siverek ist alles nur noch flaches Land, (Korn-)Felder soweit die Augen reichen. Die ab und zu durchfahrenen Orte sind mehr als karg, hier wollen wir definitiv nicht verweilen.
Die syrische Grenze ist nicht mehr weit und irgendwann passieren wir auch ein Flüchtlingslager....sehr trist.


Endlich in Mardin heißt es ab ins Zentrum dieser alten Stadt, in der der ehemals tausende syrisch-orthodoxe Christen wohnten. Die Stadt ist am Berg gebaut, was uns einen Traumblick über die Tiefebene beschert.

Leider verpassen wir in einem Baustellen Schilderwald den letzten Mini-Abzweig in Richtung Zentrum, durch das eine langgezogene Einbahnstraße verläuft und fahren unterhalb der Stadt ans andere Ende. Hier biegen wir auf gut Glück mal Richtung Innenstadt ab, fahren ein enges Sträßchen über Kopfsteinpflaster bergauf und stellen bald fest, dass wir nun eben diese Einbahnstraße von der anderen Seite her befahren.

Besonders toll ist das wenn all die kleinen Busse entgegenkommen, aber irgendwie schaffen wir es doch auf einen 'Parkplatz' vor einem der vielen 'Butik Otel's der Stadt. Von hier ziehe ich erst mal zu Fuß los, um festzustellen, dass die 2 Billig-Herbergen motorradunfreundlich in der Hauptstrasse (ohne echte Parkplätze) oder am Hang (nur über langen Treppenaufstieg zu erreichen) liegen und so billig dan auch nicht wirklich sind. Bevor wir also nochmal die Stadt umrunden, um endlich mit dem Verkehr ins Zentrum einzufahren, fragen wir kurzerhand in dem 'Gazi Konagi Butik Otel' nach dem Preis für ein Dreibettzimmer (oder Suite) und der ist noch nicht wirklich beängstigend. Wir werden jedoch von dem Besitzer des 'Dara Konagi' angesprochen und in sein nahe liegendes, auch sehr hübsches Hotel zu einem noch besseren Preis gelockt. Dort bleiben wir dann auch, froh endlich aus den Motorrad Klamotten rauszukommen.

Vom Campingplatz für 10TL pro Zelt also ins Butik Otel für 140TL fürs Zimmer (inkl. Frühstück)...das nenne ich Flexibilität und stilvoll reisen; oft können wir uns das allerdings nicht leisten.

Habe ich mir übrigens im konservativen nicht-touristischen Göksun noch Gedanken gemacht, wie das denn aussieht, wenn eine Frau mit 2 Männern ein Zimmer teilt (dort haben wir uns für 2 Zimmer entschieden), scheint es in der touristischen Stadt Mardin nicht unüblich zu sein, zu dritt ein Zimmer zu teilen, auch wenn es eine gemischte Gruppe ist.
Tja, auch die Türken sind flexibel, aber wer weiß was sie letztendlich tatsächlich über 'die westlichen Frauen' denken.

Ralf & Kerstin beim türkischen Kaffee auf unserer Luxusterasse

Die Weite Mesapotamiens

Viele Kirchen, aber noch mehr Moscheen in Mardin


blogged by rotezenzi39

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