Donnerstag, 9. Februar 2017


Die Grenze nach Vermosh ist schnell überquert. Definitiv einer der kleinsten Grenzübergänge an denen wir je Halt gemacht haben. Zwar wird die Strasse, die auf Montenegro Seite in relativ gutem Zustand war, schnell wieder schlecht, aber die Schotterteile halten sich in Grenzen und Schlaglöcher machen uns ja nichts.

Es geht über einige Holzbrücken und an einem Hotelneubau vorbei immer weiter ins Tal hinein und mit jedem Meter wird es ein bischen einsamer. Der Himmel ist mit tiefen, grauen Wolken verhangen, aber es sieht nicht nach Regen aus und wir geniessen die etwas kühleren Temperaturen nach über 30°C bei Shkoder.

Rechts entdecke ich einen dieser Beton-Pilze, die man in Albanien überall sieht. Ein Überbleibsel aus der kommunistischen Diktatur unter (Name?), der in seiner Paranoia überall im Land kleine Einmann-Bunker hat bauen lassen. Wir haben in der Woche schon einige gesehen, aber zum Fotostop hat es nie gereicht. Diesmal schon:


Weiter gehts ins Vermoshtal. Nach einigen km sehen wir die ersten Schilder die über Guesthäuser informieren. Die meisten der verstreuten Bauernhöfe bieten inzwischen auch Unterkünfte für Reisende an. Leider weisen viele der Schilder nach rechts, über den (praktisch ausgetrockneten Fluss), aber wie wir da rüberkommen sollen ist uns ein Rätsel: Brücken gibt es nur für Fussgänger und durch das Flussbett, voll mit Findlingen und Treibholz wird kaum ein Unimock kommen.

Egal, wir finden - schon fast am Ende des Weges - das schöne Guesthause (Namen und Link). Ebenfalls ein Bauernhof auf dem drei Generationen der Familien leben. Die Tochter spricht super English und schmeisst das Touristengeschäft, während Bauer, Bäuerin und Grosseltern damit beschäftig sind die voll behangenen Obstbäume auf dem Grundstück abzuernten und in riesigen Mostbottichen (Mehrzahl und mannshoch) zu sammeln. Das wird einen Raki geben.

Auf dem grossen Grundstück könnte man auch Zelten, wir entscheiden uns aber für ein gemütliches Zimmer mit geteilten Bad im ersten Stock, da es abends hier oben bestimmt sehr frisch werden kann.

Da es hier keine Läden oder Restaurants gibt gibt es Halbpension mit Frühstück und Abendessen. Am ersten Abend gibt es leckere Forelle und ein Foto für die Facebookseite. Und natürlich ist alles was hier auf den Tisch komme (abgesehen vom Bier) von hier: Die Fische aus dem Bach, das Gemüse aus dem Garten, Eier von den Hühnern die über den Hof gackern und das Brot selbst gebacken. Einfach schön.

Uns zieht es bald ins Bett, denn morgen wollen wir mal die Motorradstiefel gegen Wanderschuhe tauschen.

Beim herzhaften Frühstück gibt uns die Tochter noch einige Tipps, wohin wir gehen könnten und sogar eine kleine Wanderkarte. Etwas Verpflegung in den Rucksack und schon geht es los. Der Himmel ist zwar immer noch grau, aber Regen ist nicht zu befürchten. Wir folgen der Beschreibung und dem markiertem Wanderweg über den Fluss und die Berge hoch. Ziel ist ein Kriegerdenkmal das es oben geben soll. Unser Weg führt uns durch Birkenwälder und über Almen. Das Denkmal finden wir auch, ist aber wenig spektakulär - vielleicht ganz gut so. Nach einer kurzen Rast beschliessen wir den Rückweg anzutreten, obwohl wir noch nicht ganz den Gipfel erreicht haben. Aber die Wolken hängen so tief, dass es definitiv keine Aussicht da oben gibt.

Wieder im Guesthouse angekommen, lassen wir uns im Pavillon nieder, der im Garten steht. Wir sind nicht alleine: Eine Gruppe Albanier, die gerade in Montenegro Angelurlaub macht sind auf ein Bier vorbeigekommen.

Am Rande bekommen wir auch mit, was es heute Abend zu essen gibt: Das Ferkel das eben noch gequiekt hat und jetzt gerade vom Bauern an einem Baum gehängt zerlegt wird. Wir trösten uns damit, das die Schweine hier insgesamt ein schöneres Leben haben als bei uns - die meiste Zeit laufen sie einfach frei in der Gegend herum.

Zum Ferkel gibt es Kartoffeln und etwas, das uns die Köchin als 'gekochter Käse' erklärt: Eine helle, breiige, zähe Masse, die im Fett schwimmt. Durchaus lecker, aber das Essen liegt mir später schon sehr schwer im Magen.

Weiter gehts am anderen Tag wieder auf dem Weg den wir hergekommen sind zurück nach Montenegro. Diesmal sagen wir Albanien aber für dieses Mal endgültig 'Auf Wiedersehen', es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.

Montenegro - wir kommen [Fortsetzung folgt].
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blogged by Phoney


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