Sonntag, 31. Juli 2016


tiet, tiet!' ruft mir das kleine Wesen zu meinen Füssen immer wieder zu und schaut mich dazu vorwurfsvoll an. Es ist sichtlich der Meinung, dass der Eimer noch nicht voll genug ist mit Sand. Ich bin da anderer Meinung, schliesslich ist das Wesen vor mir Mian, ein zierliches kambodschanisches Mädchen das höchstens sechs Jahre alt ist. Und eigentlich sollte es gar keinen Sand schleppen, denn dazu sind ja Maik, Holger und ich extra nach Kambodscha gekommen.



Dezmember 2015 in München. In unserer Firma stellt sich Smile Cambodia vor, eine von Sebastian gegründetet Hilfsorganisation, die Kinder in Angdong, einem Dorf vor den Toren Kambodscha’s Hauptstadt Phnom Penh unterstützt. Sebastian berichtet uns, dass das Dorf vor einigen Jahren durch eine (Zwangs)umsiedlung entstanden ist: Die früheren Einwohner von Phnom Penh mussten Platz machen für einen kommerziellen Neubau. Um den Kindern, deren Familien zu den ärmsten in Kambodscha zählen, eine bessere Zukunft zu ermöglichen, unterstützt Sebastian mit seiner Organisation den Bau und Betrieb einer kleinen Bibliothek, in der die Kinder Zugang zu Büchern und Spielen erhalten. Das Projekt läuft gut, inzwischen gibt es ein eigenes Grundstück mit Haus in dem die Bibliothek und zwei Klassenräume untergebracht sind. Hier können die Kinder begleitend zur öffentlichen Schule Englisch lernen. Heute sucht Sebastian Helfer, die vor Ort beim Bau eines zweiten Gebäudes helfen sollen, das die Kapazität für den Unterricht erweitert. Kambodscha habe ich noch in guter Erinnerung von unserer Reise und so bin ich sofort dabei. Am Ende sind wir zu Dritt: Meine Kollegen Holger und Maik sind nebst mir dabei.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass mein Arbeitgeber es jedem Angestellten ermöglicht sich bis zu sieben Tage im Jahr für ehrenamtliches Engagement freistellen zu lassen .

Am 4. April geht es los. Nach knapp einer Stunde Tuk Tuk fahren von Phnom Penh (vor Ort gibt es keine Unterkünfte) kommen wir in Andong an. Der Rohbau des neuen Gebäudes steht schon. Unsere Aufgabe soll es in den nächsten Tagen sein, ein Fundament aus Sand, Steinen und Zement zu errichten. 


Bevor wir aber loslegen führt uns Ly An - der Manger und gute Seele vor Ort - noch herum. Er zeigt uns die Bibliothek im Erdgeschoss mit reichlich Bücher in Khmer und Englisch. Im ersten Stock gibt es zwei Klassenräume, in denen an fünf Tagen der Woche mehrere Englischklassen für alle Altersstufen gehalten werden. Die Lehrer sind Studenten aus Phnom Penh, die sich so zum Teil ihr Studium finanzieren. Insgesamt können 120 Schüler in Englisch unterrichtet werden. Die Sprache ist Voraussetzung für eine höhere Schulausbildung, Studium und eine gute Stelle, z.B. im boomenden Tourismus 

Aber am meisten beeindruckt uns Ly An's Vision: Im neuen Gebäude will er neben einem weiteren Klassenzimmer auch eine Nähklasse einrichten, damit auch die Familien der Kinder die Möglichkeit haben ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Ly An's Hintergedanke ist: wenn die Familien genügend Geld verdienen, müssen die Kinder nicht arbeiten und können in die Schule gehen.


Bei einem Rundgang durch das Dorf erklärt uns Ly An, dass sich schon viel getan hat: Strassen wurden gebaut, Wasserversorgung verlegt und richtige Häuser haben die Hütten ersetzt, in denen die Familien früher gewohnt haben. Trotzdem gibt es immer noch über 1000 Familien die in ärmsten Verhältnissen leben, in Wellblech- und Holzhütten, umgeben von fauligem Wasser und Müll. Vor wenigen Jahren sah das ganze Dorf noch so aus. 

Jetzt geht es aber los: Die Arbeitshandschuhe übergezogen machen wir uns daran, den Sandberg mit Schaufeln und Eimer abzutransportieren und als Fundament unter das Gebäude zu tragen. Wegen Khmer New Year, das nächste Woche stattfindet, findet diese Woche kein Unterricht statt und so sind die drei bleichen Barangs (Ausländer) eine willkommene Unterhaltung für die Kinder. Schnell entwickelt sich ein wahrer Wettstreit zwischen ihnen und uns, wer wohl mehr Sand tragen kann. Damit es nicht zu langweilig wird, wechseln wir uns ab mit Tragen und Schaufeln, und natürlich sind wir ab und zu auch Pferd oder Karusell für die Zwergl.





Wir sind stolz am Abend es ersten Tages den Sandberg schon fast komplett verteilt zu haben. Aber da haben wir uns zu früh gefreut: kurz nach Feierabend bringt ein Laster die nächste Fuhre.

Am Tag 2 ist also wieder Sand schippen und tragen angesagt. Ly An hat aber gleich unseren Vorschlag umgesetzt und eine Schubkarre besorgt. Mit der geht alles natürlich deutlich schneller: Hin voll Sand, zurück voll Kinder. So haben beide Seiten etwas von der Investition. Auch dank der tatkräftigen Unterstüzung der Kinder und der Lehrer kommen wir deutlich schneller voran als geplant. Ly An erweitert deshalb kurzerhand unser Aufgabenfeld: Wir renovieren auch noch die Bibliothek.

Der April ist mit einer der heissesten Monate in Kambodscha. Kurz vor der Regenzeit steigt das Thermometer am Mittag gern mal Richtung die 40 Grad Celsius. Gut dass es gleich gegenüber einen kleinen Bauernhof gibt, auf dem die Bäuerin frisch gepressten Zuckerrohrsaft verkauft. Unter schattigen Bäumen verbringen wir so immer unsere Mittagspause..
Auf dem weg zur Mittagspause
Mein Stammplatz über Mittag

Am Abend des vierten Tages sind schon deutliche Fortschritte zu erkennen. Inzwischen haben wir den Boden des neuen Gebäudes mit Sand und Steinen erhöht und die Bauarbeiter konnten mit Beton einen ebenen Boden daraus machen. Die Bibliothek erstrahlt derweil in einem frischen hellblau, die Bücherregale in knalligem gelb. Es ist alles bereit für die 5-Jahres Feier des Projektes die am nächsten Tag stattfinden wird.


Als wir Freitags in Andong ankommen - etwas später als sonst da wir heute auch das Eis für die Feier mitbringen - ist die Party schon in vollem Gange. Kambodschanische Schlagermusik schallt uns entgegen und mehr als 100 Kinder feiern ausgelassen mit ihren Lehrern. Und wir dürfen auch mitmachen. Meistens dürfen wir als ‚Pferde‘ herhalten und tragen Kinder huckepack herum. Kurz vor Mittag werden dann die Preise an die besten Schüler jedes Jahrgangs verliehen. Es gibt Fahrräder, Schulranzen und Musikinstrumente. Das Buffet für alle ist bereits im neuen Gebäude aufgebaut und nach dem Essen geht es mit Pinata Spielen und Karaoke weiter. Unser Bauleiter entpuppt sich dabei als veritabler DJ 
Maik & Holger geben einen tollen Spielplatz ab

Am Abend verabschieden wir uns von unseren neuen Freunden aus Phnom Penh bei kambodschanischem BBQ. Für Maik & Holger geht es morgen noch auf eine Stippvisite nach Angkor Wat, ich bleibe noch einen Tag in Phnom Penh und die meisten der Lehrer geht es in den Neujahrsferien zu ihren Familien.

Interesse bekommen? Dann schaut doch mal auf der Homepage von Smile Cambodia vorbei. Sebastian freut sich immer über Unterstützung. Sei es vor Ort in Kambodscha, in Deutschland beim Spendensammeln oder einfach auch über eine direkte Spende. Auf der Webseite findet Ihr auch einen Bericht über den Klassenzimmerbau mit mehr Fotos und Hintergrundinformationen.


Eis-Transport - direkt aus der Hauptstadt

Das Eis später am Buffet

Zu Dritt gegen einen - eigentlich unfair

Das Lehrer Team mit Helfern


Das Spendenkonto von Smile Cambodia ist:
Smile Cambodia – Hilfe für Kambodscha e.V.
Kontonummer: 1000954188
Bankleitzahl: 701 500 00
IBAN: DE83 7015 0000 1000 9541 88
BIC: SSKMDEMMXXX

Bank: Stadtsparkasse München

Oder online Spenden über betterplace.org 
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blogged by Phoney


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