Dienstag, 26. November 2013

Heute startet quasi unsere letzte volle Etappe. Unser Ziel ist das Australian Camp, von dem man einen tollen Blick auf die Annapurna Range und Pokhara haben soll.

Nocheinmal gilt es ein paar Höhenmeter zu bewältigen, wie immer auf und ab, oft über Treppen. Trotzdem bleibt es eine leichte Etappe, oder wir sind inzwischen wirklich Fit. Es läuft sich fast schon von alleine. Einzig die Feuchtigkeit macht mir zu schaffen: Noch immer führt unser Weg durch beinahe tropischen Regenwald mit der entsprechenden Luftfeuchtigkeit. Der Schweiss rinnt in kleinen Bächen unter meinem Hut hervor.

Als wir den letzten Aufstieg von Pothana zum Camp antreten kommen uns immer wieder kleine Gruppen von nepalesischen Teenagern entgegen. Alle Hip und sehr städtisch gekleidet, ganz anders als alles was wir die letzten zwei Wochen in den Bergen gesehen haben. Man merkt halt - denken wir uns - das man wieder in der Nähe einer Großstadt ist. Und die Stadtmädels scheinen extrem hart im Nehmen zu sein, wenn man so deren Schuhwerk betrachtet, mit dem Kerstin wohl noch nicht mal durch den englischen Garten gehen könnte. Als wir dann aber auch noch Partymusik vernehmen, wird uns das ganze doch etwas unheimlich. Die Auflösung kommt dann im Camp, das seinen Namen einer Gruppe von Australiern zu verdanken hat, die hier vor etlichen Jahren die ersten Unterkünfte für Wanderer gebaut haben. Inzwischen finden sich auf dem Hügel mehrere Teahouses und offensichtlich ist es auch ein beliebtes Ziel von Schulausflügen und -feiern; der kürzeste Aufstieg von einer Bushaltestelle ist grad mal 1 h. Und genau so eine Schüler-Party findet auf dem Nachbargrundstück statt: Eine Party mit Grill, Teenie-Gekreische und ordentlich übersteuerte (Hindi)Mucke. Unser Wirt versichert uns aber, das um fünf Schluss sei und wir dann unsere Ruhe hätten.

Naja, eigentlich stört uns das ganze nicht sehr, so ist wenigstens etwas geboten. Die ganze Umgebung hüllt sich seit unserer Ankunft in Nebel, der immer dichter wird. Dabei sollten wir hier doch nochmal nen fantastischen Blick aufs Annapurna-Massiv und ins Tal habem. Auch kalt wird es wieder und die Feuchtigkeit tut ihr übriges. Als dann gegen Abend auch noch leichter Regen einsetzt, hat sich auch der letzte Wander-Gast in den Dining Room geflüchtet in dem munter ein Ofen vor sich hin bollert und für Wärme sorgt. Die Kiddies scheinen fröhlich weiter zu feiern.

Shyam hat für unseren letzen Abend eine besondere Überraschung für uns parat: In Marpha hat er kleines Fläschchen des Apple Brandy gekauft und gibt uns jetzt einen aus. Er selbst trinkt keinen harten Alkohol wie er sagt und lässt sich deshalb lieber auf ein Bier einladen. Man Soliti gönnt sich auf unsere Kosten einen Raksi, den lokalen Wein, der wie Sake riecht. Vom probieren nehmen wir Abstand, wir sind mit unserem Brandy beschäftigt.



Am nächsten Morgen starten wir wie üblich um acht zu unserer letzten Etappe: Es gilt nur noch bis nach Kare abzusteigen und dort mit dem Bus nach Pokhara zu fahren. Nach nicht mal einer Stunde sitzen wir schon an der Bushaltestelle. Ein Bus lässt auch nicht lange auf sich warten. Leider sind wir diesmal nicht die ersten die einsteigen, sondern eher die letzten. Deshalb gibt es nur noch Stehplätze für uns. Während sich Man und Shyam an der Tür festhalten, stehen Kerstin und ich mehr schlecht als recht im Gang. Vor allem mehr gekrümmt als aufrecht. Aber die Fahrt dauert zum Glück nur ca. 30 Minuten und von den meisten halsbrecherischen Manövern des Fahrers kriegen wir nichts mit, da wir kaum zu den Fenstern rausschauen können und hauptsächlich damit beschäftigt sind uns irgendwie festzuhalten und keine Mitfahrende mit unseren Rucksäcken zu verletzten.

Vom Busbahnhof in Pokhara ist es nur eine kurze Fahrt mit dem Taxi zu unserem Hotel, das Kerstin bereits gebucht hat. Shyam und Man lassen es sich nicht nehmen uns zu begleiten und uns nochmal bei einer letzten Tasse Tee zu verabschieden. Die beiden machen sich jetzt auf den Weg nach Kathmandu zu ihren Familien. War toll mit euch, vielen Dank.

WOW, jetzt ist unser Trek zu Ende. Knapp 200km sind wir durch den Himalaya gewandert und was weiß ich wieviele Höhenmeter wir auf- und abgestiegen sind. Wir haben geschwitzt und gefroren aber vor allem waren wir fasziniert von der Landschaft, den Bergen, den Menschen die hier Leben, dem Wasser das überall fließt und plätschert. Es war toll und der perfekte Start in unser Abenteuer.

Danke auch an Ram und Dilu von Glacier Family Treks, die alles so wunderbar organisiert haben - einfach perfekt. Und natürlich an Shyam der uns geduldig durch die Berge geführt hat, alle Umwege die Kersten gehen wollte mit gemacht hat und auch immer auf mich gewartet hat, wenn ich mal wieder wegen Fotos zurück geblieben bin. Und natürlich Man, der unseren Rucksack 18 Tage für uns getragen hat, auch den 5416 Thorong La Pass hoch und runter.


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blogged by Zenzi39 & Phoney


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